RTI – Einführung

‚Wer hat‘s erfunden?‘

RTI steht für Reflectance Transformation Imaging, was bereits darauf hinweist,  dass es v.a. um Oberflächen und deren Wiedergabe geht.

RTI ist eine computergestützte Fotografiermethode, mit der von einem Objekt mehrere Bilder mit fixierter Kameraposition und variablen Beleuchtungspositionen gemacht werden. In der resultierenden Datei kann die Position der Lichtquelle verändert werden, um beispielsweise die Oberfläche des aufgenommenen Objekts im Schräglicht untersuchen zu können.

RTI „hat inzwischen eine weite Verbreitung für die Dokumentation von Objekten mit flachen Oberflächen, wie etwa Felsbilder, Inschriften oder Münzen, gefunden, da hochauflösende Ergebnisse mit vergleichsweise günstiger Ausrüstung erzielt werden können.“[1]

Die ursprüngliche Bezeichnung ist Polynomial Texture Mapping / PTM (begenet nach wie vor, auch als Ergebnisformat) ,  eine Technik die 2001  von Tom Malzbender für HP in den USA entwickelt wurde. Auslöser war die Suche nach einer Methode um den Lichteinfall bei 3D Grafiken realistischer darzustellen.

PDF des Texts Malzbenders, der in das von ihm erstellte Verfahren einführt unter diesem Link: http://www.hpl.hp.com/research/ptm/papers/ptm.pdf

Die PTM – Methode nach Malzbender wurde von der gemeinnützigen Firma Cultural Heritage Imaging (CHI) weiterentwicklet (Ergebnisformat ist hier .rti), als visuelle Dokumentationsmethode für Kulturgut.  CHI stellt kostenlose Programme für die Erstellung von RTIs zur Verfügung. CHI gilt heute als erste Anlaufstelle zum Thema RTI, ein Besuch der Homepage empfiehlt sich auch besonders, um eine erste Vorstellung von RTI zu bekommen: http://culturalheritageimaging.org/Technologies/RTI/   Dort finden sich auch zahlreiche  Beispiele , Videos und Tutorials, sowie – besonders wichtig – die Software zum Erstellen und Betrachten von RTI-Dateien.

Eine lesenswerte Einführung bietet auch der Eintrag zu RTI in den IT-Empfehlungen auf der Homepage von IANUS, eines Projekts zum  Aufbau eines nationalen Forschungsdatenzentrums für die Archäologien und Altertumswissenschaften in Deutschland, vor allem was Dokumentation und Metadaten(-Management) angeht.

Dokumentation

Stichwort Dokumentation: neben den allgemeinen minimalen Angaben zu Einzeldateien erfordern RTI-Daten Angaben, die Aufschluss über die Aufnahmemethode, deren Umstände und über die Prozessierung der Daten geben. Zusätzlich können weitere Angaben zu dem Projekt als ganzes notwendig sein, um etwa genauere Angaben zu den aufgenommenen Objekten zu machen. Es empfiehlt sich ein Dokumentationsblatt oder sog. Shooting Log schon während der Aufnahme der einzelnen Objekte auszufüllen.

Pro und Contra

Nachteile / Einschränkungen:

  • nur (einzelne) Oberflächen keine Gesamtaufnahmen des jeweiligen Objekts möglich
  • nicht 3 sondern ‚2,5 D‘
  • Objektgröße ist beschränkt, im Laborkontext nur kleine Objekte möglich
  • zu beachten: starke Kontraste und Reflexe erwünscht (im Gegensatz zu Photogrammetrie)
  • Ergebnis abhängig von der Qualität der Aufnahmen

Vorteile:

  • niedrigschwellige, leicht durchführbare & kostengünstige Digitalisierungsmethode
  • Spezifische Darstellungsmöglichkeiten: Überhöhte Darstellung von Oberflächen, Details die bei Betrachtung mit bloßem Auge nicht erkennbar sind + interaktive Beleuchtungs-Simulation im Viewer
  • Objekt wird während des Aufnahmevorgangs nicht berührt
  • Erstelltes Modell ermöglicht nachfolgende berührungsfreie Untersuchung durch eine Vielzahl von Personen ohne das Original zu benötigen

=> innerhalb des geschilderten spezifischen idealen Anwendungsbereichs stellt RTI eine empfehlenswerte Methode zur Kulturgut-Digitalisierung  dar. Durch den geringen Lern- und Geräteaufwand bietet sich RTI besonders als ‚Einstiegsdroge‘ zu Dokumentation, Schutz, Erforschung und Wertevermittlung von Kulturgütern an.


[1] https://www.ianus-fdz.de/it-empfehlungen/rti