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PHOTOGRAMMETRIE – Aufnahme und Dokumentation des Terrakotta-Engelsköpfchens aus Schloss Neuburg am Inn, Kat. Nr. 177

A) Objektkontext

Bei dem fotografierten Fundstück handelt es sich um einen Engelskopf mit Flügeln und gelocktem Haar. Das Objekt ist aus Terrakotta und stammt vom Fundort Neuburg am Inn. In der Breite fasst der Kopf mitsamt Flügeln 22,5 cm, die Länge beträgt 24,5 cm und auf die flache Seite gelegt ist die Figur 11,5 cm hoch.

Schloss Neuburg am Inn wurde im 11.  Jahrhundert von einer Formbacher Grafenfamilie gegründet, die ihren Herrschaftssitz als Höhenburg, um sich symbolisch wie auch physisch über die Untertanen zu erheben, errichten ließen. Bis 1803 war die Neuburg Herrschaftsmittelpunkt der Grafschaft Neuburg, die, sich seit 1310 in Habsburger Besitz befindend, österreichischem Herrschaftsgebiet angehörte. Über die Jahrhunderte hinweg wurden an der Burg mehrere Umbauvorgänge durchgeführt welche beispielweise eine Verstärkung der Wehrhaftigkeit oder Machtdemonstration zum Zwecke hatten. Durch die schnelle Entwicklung der Kriegstechnik und das Auftauchen von Feuerwaffen verlor die Neuburg im 15. Jahrhundert weitgehend ihre Wehr- und Schutzfunktion.

Um das Jahr 1530 begann Graf Niklas III. (1503-1550) von Salm die Burg mittels umfassender Umbauarbeiten durch Wolf Huber (ca. 1485-1553) in ein Renaissanceschloss zu verwandeln. Eine zentrale Rolle spielte hierbei der Garten als Ort der Muße aber auch zu Repräsentationszwecken. Weiterhin große Bedeutung kommt den Terrakotta-Ornamenten zu, die einerseits zeit- und kostengünstig herzustellen waren, andererseits durch ihre Raffinesse in ihrer Funktion der Demonstration eines neuen Lebensstils, Großartigkeit und Ruhm ihre volle Wirkung zeigten. Durch die Änderungen verlor die Burg an militärischer Bedeutung um jedoch an Prestige zu gewinnen. Die Neuburg wurde architektonischer Vorreiter zahlreicher ähnlicher Schlossbauten.

Das Engelsköpfchen war zum Zwecke der Dekoration als Konsole unter den Rippensätzen angebracht. Die Vermutung legt nahe, dass das Fundstück aus der oben genannten Umgestaltungsphase unter Graf Niklas III. stammt, genaueres ist jedoch nicht bekannt.

 

B)  Aufnahmeprozess

Ort, Zeit, Personal: Die Aufnahmen wurden im Labor für Kulturgutdigitalisierung am Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Passau (Raum 204 HK14d)  am 07.03.2018 um circa 10.00 Uhr gemacht. Anwesend waren die Teilnehmer des Seminars sowie Magdalena März und Sebastian Gassner.

Equipment und Einstellungen:

  • Kamera: Canon EOS 100D
  • Objektiv: 100mm Festbrennweite
  • Modus: Autofokus
  • Blende: F32; ISO: 100 Belichtungszeit: 2 Sekunden
  • Fernauslöser, USB-Verbindung zwischen Kamera und PC
  • Aufnahmemethode: Drehteller und Stativ
  • Aufbau: Innenraum, abgedunkelt; zwei LED-Panels ca. 40cm links und rechts des Objekts, eine Softbox-Studioleuchte, die das Objekt von oben beleuchtet hat
  • einzige Lichtquelle abgesehen von Schirm- und LED-Lampen: Beleuchtung des Drehtellerarms für RTI-Aufnahmen am anderen Ende des Raums
  • Plastikring zur Stabilisierung des Objekts
  • Dateiformat: JPEG

 

Aufnahmen:

Dies ist der zweite Versuch den Engelskopf zu fotografieren, der erste Versuch wurde in Neuburg unternommen. Insgesamt wurden von Ober- und Unterseite insgesamt 255 Aufnahmen auf 7 Ebenen und einigen wenigen Detailaufnahmen gemacht. Es wurden so viele Aufnahmen gemacht, da die Software beim ersten Versuch die Kamera immer an die gleiche Position gesetzt hat und somit kein Modell erstellen konnte. Die Vermutung war, dass es zu geringe Überschneidungsbereiche zwischen den Bildern gab was dazu führte, dass sich die Softaware nicht orientieren konnte.

Hier erkennt man die Dichte der Aufnahmen und die Verteilung auf sieben Ebenen

 

 

 

 

 

 

C) Modellerstellung

Die Bilder wurden ohne weitere Bearbeitung direkt von dem Programm Agisoft PhotoScan Professional (64 bit) Version 1.3.2 verarbeitet. Die Software gibt eine bestimmte Reihenfolge an Arbeitsschritten vor, welche nacheinander durchgeführt wurden. Die Bilder-Sets von Vorder- und Rückseite wurden hierbei zunächst separat behandelt, in einem weiteren Schritt wurden die beiden Chunks zusammengefügt. Auch nach der Erstellung des Modells wurden keine weiteren Bearbeitungsmaßnahmen vorgenommen, abgesehen von dem Entfernen überflüssiger Bildpunkte in der Punktewolke, die nicht zu den Objekt selbst gehörten.

Das Modell wurde am Rechner im Labor für Kulturgutdigitalisierung des Lehrstuhls für Digital Humanities berechnet für den folgende Daten gelten: Rechnerkonfiguration: Intel Core2 Quad CPU / 4x 2.8GHz, Arbeitsspeicher: 8,00 GB, Windows 7 Pro/64Bit, Grafikkarte: NVIDIA GeForce GTX 750Ti mit 2048MB Speicher.

RTI- In Situ -Aufnahme Epitaph Wolf Huber Oberhausmuseum Passau

A) Objekt / Gegenstand

Epitaph von Wolf Huber
Material:  Rotmarmor
Maße: 76 (h) x 65 (b)
Datierung: 1553

1922 erwähnt W. M. Schmid den heute im Oberhausmuseum ausgestellten (Fürstenbau EG / A32) Grabstein und dessen Wiederentdeckung  durch den Passauer Heimat- bzw. Geschichtsforscher Max Heuwieser  . Vor Wiederentdeckung und Translozierung in die Veste Oberhaus ins damalige Ostmarkmuseum 1934 befand sich der Grabstein in der Passauer Hl. Geistkirche hinter einer Emporensäule, wo er
kopfüber eingemauert war. Der schlicht gehaltene Stein aus Rotmarmor trägt die in gotischen Lettern eingemeißelte Inschrift

Im jar 1553 den 3 Juny ist /
in got entschlaffen der Er /
war und khunstreich ma(n) /
Wolfgang hueber Burge(r) /
und furstlicher hoffmaller /
zu Passau. Welicher der /
zuckhunfft Christy Jesu /
sambt allen gelaubig/
en alhie will warten

Ein Jahr nach dem Tod Wolf Hubers wurde das Nachlaßinventar aufgestellt und die Vormundschaft für seine Kinder bestimmt, die 1556 noch nicht aufgehoben ist. Zum Fertiger des Steins oder zur anzunehmenden ursprünglichen rahmenden Epitapharchitektur mit figuralen und ornamentalen Elementen ist jedoch nichts überliefert. Wahrscheinlich ist es der Umsicht Bischof Heinrich von Hofstätters zu verdanken, der um 1860 in denkmalpflegerischer Gesinnung verwaiste Epitaphien und Grabplatten aus dem bürgerlichen
Friedhof von St. Paul und dem Domkreuzgang zu sammeln begann.

Wolf Hubers Lebenslauf und  Wirken als Zeichner, Maler und Baumeister ist beispielhaft für das vielschichtigenBerufsbild des Hofkünstlers in der Sattelzeit zwischen späten Mittelalter und früher Renaissance. Ab 1510 in Passau nachweisbar, hatteHuber bis zu seinem Tod das Amt des bischöflichen Hofmalers inne, ab 1541 ist er als Stadtbaumeister verzeichnet. Huber gilt neben Albrecht Aldorfer, zu dem nicht nur stilistisch enge Verbindungen nachvollziehbar sind, als ein Hauptvertreter der sogenannten Donauschule bzw. des Donaustils.  Entsprechend lag der Fokus in der Forschung / Litaratur zu  Person  und Wirken Hubers bisher auf seinem grapischen und malerischen Werk, dem gegeüber seine Tätigkeit als Baumeister eher vernachlässigt wurde.

Dieser kommt jedoch gerade auch für den Kurs, im Rahmen dessen dauch das hier  vorgestellte  Digitalisat entstanden ist, besondere Bedeutung zu, da Wolf Huber für den Ausbau von Schloss Neuburg am Inn , (vgl. a. Karte zum Kurs) dem Mittelpunkt der ehemaligen umliegenden Grafschaft Neuburg um 1530 als leitender Baumeister unter Auftraggeber Graf Niklas II. von Salm verantwortlich war. Die im Zuge dieses Ausbaus zur Bauzier in den repäsentaiven Haupträumen der Anlage angebrachten Terrakotten  werden im zweiten Teil des Kurses behandelt und die dabei photogrammetrisch aufgenommenen Modelle der Terrakotten  vorgestellt.

Weiterführend zeichnet sich in der  Herausarbeitung der Schlüsselfunktion der Person Hubers als leitender Baumeister in Vermittlung neuer Stilrichtungen wie auch Techniken zur praktischen Umsetzung  ein Desiderat ab, das gerade auch für die Baugeschichte von Neuburg und die inhaltliche Deutung der Umgestaltung Erkenntnisgewinn verspricht. Darauf weist nicht zu letzt die Tatsache hin, dass der Ausbau von Neuburg noch vor jenen der bekannten Landshuter Stadtresidenz Herzog Ludwigs X. fällt, welcher so oft als erster Renaissance-Bau nördlich der Alpen bezeichnet wird, und die ganze Palette der in Neuburg zum Einsatz gebrachten Stilmittel und Techniken zeigt.  Neben diesem anschauliches Beispiel, wie sich im Wirken Hubers  das gewandelte Stilideal seiner Zeit inerhalb seines Wirkungskreises manifestiert, ist zudem das Neuburg höchst nahestehenden Ausbauprojekt von Schloss Orth an der Donau nahe Wien zu nennen, wo unter demselben Auftraggeber mit denselben Stilmitteln eine Neugestaltung vorgenommen wurde, wobei das Hauptaugenmerk auch hier auf  Terrakotten derselben Formgebungen wie in Neuburg lag.

Literatur: Wolfgang Maria Schmid, Wolfgang Huber, der Maler von Passau, in: Niederbayerische Monatsschrift 11 (1922), S. 165-172, hier S. 167; Peter Halm, Zur Einführung, in: Wolf Huber Gedächtnisausstellung zum 400. Todesjahr, Passau 1953, S. VII-XI, hier S. VIII; Hans Karl Moritz, Der Grabstein Wolf Hubers, in: Amtliches Mitteilungsblatt für den Stadt- und Landkreis Passau, Nr. 32: 15. August 1953, S. 3; Franz Winzinger, Wolf Huber. Das Gesamtwerk, München-Zürich 1979, 2 Bde., hier Bd. 1, S. 197, Anhang 39; Die Inschriften der Stadt Passau (280, Nr. 544);  Angaben aus dem Musuemskatalog.

B) Aufnahme / Bildgewinnung
Ort, Zeit, Personal:
Die zur Erstellung der RTI-Datei nötigen Aufnahmen wurden als Teamarbeit im Rahmen des Kurses am 20.12.2018 vor Ort im Ausstellungsraum angefertigt (6 Teilnehmer und 2 Dozenten)
Aufnahmesituation:
im Ausstellungsraum des Oberhausmuseum. Für besseres Schlaglicht auf dem Objekt wurden alle künstlichen  Lichtquellen ausgeschaltet, so dass wenig Tageslicht durch ein Fesnter in den Raum fiel. (Vgl. Making-Of Foto unten)
Vorgehen bei der Bildgewinnung:  Es wurde  nach dem für RTI-Aufnahmen üblichen Schema vorgegangen, mit der Besonderheit, dass es sich um ein In-Situ befindliches, immobiles, größeres Objekt handelte. (Vgl. Beitrag ‚RTI-Feldaufnahmen immobiler Objekte‚) Der Aufbau musste dementsprechend angepasst werden. Eine besondere zu lösende Schwierigkeit bildete der schwingende Holzboden, welcher dazu führte, dass der erste Durchlauf ein verwackeltes Ergebnis erbrachte:

Screenshots des verwackelten 1. Versuchs (links ‚Normals Visualization‘, rechts ´Default‘ -Mode)

Daher wurde für den zweiten Versuch an jeder Lichtposition im Halbkreis um das Objekt ein Kursteilnhemer platziert. Vom jeweiligen Standpunkt wurde der Blitz aus unterschiedlichen Höhen auf das Objekt gerichtet und je ein Foto geschossen. Um auf die nötige Höhe zu kommen und eine Beleuchtung des Objekt aus möglichst vielen Positionen / Höhen zu gewährleisten, wurde der Blitz an einer Stange befestigt, die dann an den Teilnehmer am nächsten Standpunkt reihum weitergegeben wurde.

Nein, es handelt sich nicht um eine okkulte Seance – sondern das einzig verfügbare Making-Of – Foto. Lichtverhältnisse und Verteilung des Teams / der Blitzpositionen im Halbkreis um das Objekt sind jedoch erkennbar 😉

Verteilt auf 6 Positionen entlang des Halbkreises um das Objekt wurden je 7 Fotos mit Beleuchtung des Objekts aus verscheidenen Höhen geschossen, entprechend 6 ‚Speichen‘ um das Objekt mit je 7 vertikalen Lichtpositionen und damit 42 Aufnahmen für das Set.

Ideale Verteilung der Blitzpositionen in der Visualisierung im PTM- Planner (vgl. Beitrag zum Thema)

Screenshot des gelungenen 2. Versuchs im Viewer, Ausschnitt

Foto des Objekts in Situ aus dem Aufnahmen-Set für dei RTI-Datei, unten die verwendeten RTI-Kugeln

Kamera: Canon EOS 30D, Objektiv: Sigma Zoomobjektiv 18-125, verwendete Brennweite 36mm
Kameraeinstellungen: ISO 100, Blendenzahl F 13, Belichtungszeit 1/125 Sek
Kameramodus: manuell
Datenformat:    JPEG       Auflösung:  72   dpi /    2336×3504      Pixel
Messmethode  Weißabgleich: automatisch
Fokussierung:  Autofokus zur Justierung / Schärfeneinstellung vor Beginn des Aufnahmesets, danach umgestellt auf  manuell und nicht mehr verändert.
Fernauslöser:  ja bzw.  Steuerung via Laptop / Software, hier Canon Utility

Aufbau: die Kamera wurde im Abstand entprechend ca. 2x der Diagonalen des Objekts auf einem Stativ auf mittlerer Objekthöhe aufgebaut und mittels Software (Canon Utility) vom Laptop aus ausgelöst.

C) Modellerstellung
Verwendete Software, Version: RTI Builder, v2_0_2
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 42
Nachbearbeitung der Bilder: nein
Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: nein

D) Beobachtungen, Probleme , Lösungen sowie sonstige Angaben zur Nachvollziehbarkeit und möglichen Reproduktion der Arbeit: s. Beschr. o.