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RTI–Aufnahme und Dokumentation Bronzeknopf, Kat. Nr. 38, Fundort Julbach

Dieser Beitrag beinhaltet die Dokumentation der Aufnahmen zur Erstellung der RTI-Datei zum genannten Objekt, auf Basis des im Kurs verwendeten Dokumentationsschemas, des sog. Shooting-Logs für RTI-Aufnahmen.

A) Objekt, Kurzbeschreibung und Kontext

In diesem Beitrag wird ein Knopf beschrieben, der bei der Burgruine Julbach gefunden wurde. Er besteht aus Bronze und weist eine matte, glatte Oberfläche mit feinen Kratz- oder Schleifspuren auf. Der Knopf hat einen runden Grundkörper mit einem Durchmesser von ca. 3 cm, auf dessen Oberfläche sich auf den Mittelpunkt punktsymmetrische, vergoldete Verzierungen befinden. Auf der Rückseite steht eine Schlaufe zur Befestigung an der Kleidung heraus (Höhe ca. 1 cm). Zum historischen Kontext sind bisher keine Angaben bekannt, ein terminus ante quem ergibt sich aus der Zerstörung der Burg im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs 1504. Da der Fund in den Grabungsberichten (hier einsehbar) nicht erwähnt wird und teilweise die ausführlichen Fundkataloge fehlen, lässt sich sonst nichts Genaueres sagen.

B) Aufnahme

Ort, Zeit, Personal: Universität Passau, Digital Humanities Lab (HK14b) am 07.02.2018, 10:30-11:15 Uhr durch Tobias Bloch, außerdem anwesend waren Sebastian Gassner und Melanie Bauer

Kamera: Canon EOS 100D

Objektiv: 50mm Festbrennweite

Aufnahmesituation:

  • Räumliches Umfeld: Innenraum (Lab), halbverdunkelt
  • RTI-Aufnahmemethode: RTI-Drehteller mit Lampenarm zur Ausleuchtung des Objekts und zwei RTI-Referenzkugel mit einem Durchmesser von 5 mm, aufgebaut auf einer Reprostation mit Stativ zur Kamerapositionierung und ‑Fixierung; USB-Kabels zur Verbindung von Kamera und PC.
  • Aufbau: Kameraposition fest 90° Grad über dem Objekt an Reprogerät, Unterlage mit RTI-Hilfskreisschema zur Orientierung/Lichtpositionierung, zwei RTI-Referenz-Kugeln mit 5 mm Durchmesser, die mit Knetmasse befestigt wurden. Da auf der Unterseite des Objekts eine Metallschlaufe herausstand, mussten neben diese Schlaufe unter den Knopf zwei Stifte gelegt werden, damit der Knopf gerade auflag und nicht immer auf eine Seite kippte. Da der Knopf so allerdings höher als die Kugeln positioniert war, wurden der Knopf und die Kugeln auf ein Stück Pappe gelegt, in das ein Loch für die Metallschlaufe geschnitten wurde. So befanden sie sich wieder auf einer Ebene (siehe Abb. 1).
Abb. 1: Der Drehteller-Aufbau mit der Lampe aus der untersten Position (20°)

Kameraeinstellungen:

  • Modus: manuell
  • Datenformat: jpeg, Auflösung: 3456 x 5184 Pixel / 1.6 MB
  • Belichtung: ISO 100; Brennweite 50, Blendenzahl F18, Verschlusszeit 4-13 s (siehe Anmerkung)
  • Fokussierung: Autofokus
  • Fernauslöser: Ja, Steuerung via PC/Software, hier: Canon Utility

Vorgehen bei der Bildgewinnung: Angestrebte Anzahl der verwendeten Aufnahmen/Lichtpositionen: 60 aus 5 Winkeln/Lichtpositionen am RTI-Arm (20 – 30 – 40 – 50 – 60°). In 30°-Schritten (versetzt startend bei 0° bzw. 15°) entsprechend der Markierungen am Drehteller wurde ein Set von 60 Fotos erstellt.

Anmerkung: Auf Anraten von Herrn Sebastian Gassner wurde mit jeder Höhenverstellung des Lampenarms nach unten die Belichtungszeit verlängert, um die Veränderung der Helligkeit auszugleichen. Beim spitzesten Winkel (20°) betrug sie 13 s, bei den nächsten in zwei-Sekunden-Schritten von 10 s bis 6 s und beim höchsten Winkel (60°) 4 Sekunden.

C) Modellerstellung

Verwendete Software, Version: RTIBuilder, v2.0.2
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 60
Nachbearbeitung der Bilder: keine
Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: keine

Abb. 2: Screenshot im RTI-Viewer, Modus: Specular Enhancement.

Abb. 3: Screenshot im RTI-Viewer, Modus: Normals Visualization.

Photogrammetrie – Aufnahme und Dokumentation Terrakotta-Büste aus Schloss Neuburg am Inn, Kat. Nr. 255

A) Objekt, Kurzbeschreibung und Kontext

Büste von Unbekannt
Material:  Terrakotta
Maße: ca. 60 cm (Gesamthöhe) x 35 cm (Schulterbreite)
Datierung: 17. Jh.

Die Büste weist einige Schäden an der Oberfläche auf. Vom rechten Auge abwärts zieht sich ein Riss die gesamte Nasenlänge bis zum Nasenflügel hinunter. Zwischen den Augenbrauen und am Kinn ist je ein größeres an der Nasenspitze ein kleineres Stück Ton abgesprungen. Auch am Lorbeerkranz sind ein paar Blätter abgebrochen. Über die gesamte Figur verteilt finden sich noch weitere kleinere Risse und Sprünge.

Über den Kontext der Figur ist nur wenig bekannt. Groeschel (vgl. 1924: 104) verzeichnet die Büste in der 20. Ausgabe der Monatsschrift des bayerischen Landesvereins für Heimatschutz. Darin datiert er sie auf das 17. Jahrhundert und bezeichnet sie zudem als eine „Phantasiebüste“. Sie würde damit keine reale historische Persönlichkeit darstellen. Passend zur Datierung der Büste scheint sie in der Tradition der Antikenrezeption der Renaissance zu stehen. Die Spätphase dieser Epoche reichte bis in die ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts hinein (vgl. Landfester 2014: XI). Die epochentypischen Stilelemente können aber natürlich noch länger nachgewirkt haben, zumal die Kunst der Antike auch in der Folgeepoche, dem Barock, weiterhin als Vorbild diente (vgl. Duchhardt, Schnettger 2015: 55). Ein derartiger Rückgriff auf die Antike zeigt sich bei der vorliegenden Büste z. B. im deutlich erkennbaren Lorbeerkranz. Dieser war bereits in der griechischen und römischen Mythologie ein Symbol für den Sieg und Attribut z. B. des höchsten Gottes Jupiter. Aufgrund dieser hohen Bedeutung wurden damit u. a. Dichter, Sportler und Feldherren für ihre herausragenden Leistungen geehrt. Dies spiegelte sich auch in den Darstellungen bekannter Persönlichkeiten auf antiken Münzen und eben auch Büsten wider. In der Renaissance wurde der Lorbeerkranz auch noch in ähnlicher Bedeutung als Anerkennung höchster geistiger Leistungen verwendet. Die Abgebildeten wurden damit — in Anlehnung an die Antike —ikonographisch als „poetae laureati“, als gekrönte Dichter, gekennzeichnet (vgl. Landfester 2014: 20 und 212).

Im 17. Jahrhundert war das Schloss Neuburg zunächst im Besitz der Grafen von Salm. Diese verarmten allerdings während des 30-jährigen Krieges und verkauften die Burg 1654 an Georg Ludwig von Sinzendorf. Nachdem dieser wegen Hochverrats angeklagt wurde, übernahm die Burg Kaiser Leopold I., der sie 1698 an den Schotten Jakob von Hamilton weitergab (vgl. Mitterwieser 1924: 145). Unter welchem dieser Burgherren die Büste gefertigt wurde und ob sie vielleicht sogar einen davon darstellt, ist nicht bekannt.

B) Aufnahme

Ort, Zeit, Personal:
Die zur Erstellung des 3D-Models nötigen Aufnahmen wurden im Rahmen des Kurses „Kulturgut in 3D“ am 26.01.2018 im Ausstellungsraum des Schlosses Neuburg angefertigt. Dabei waren 6 Teilnehmer und 2 Dozenten anwesend.

Aufnahmesituation:
Der Ausstellungsraum wird durch Deckenlampen beleuchtet.

Kamera: Canon EOS 100D, Objektiv: Sigma Zoomobjektiv 18-50 mm, verwendete Brennweite 32-33 mm (siehe Anmerkung)

Kameraeinstellungen:
ISO 100, Blendenzahl F29, Belichtungszeit 1/2 s
Kameramodus: manuell
Datenformat: jpeg
Auflösung: 72 dpi / 5184×3456 Pixel
Fokussierung: Autofokus

Aufbau:
Die Büste wurde auf einen weißen, etwa 60 cm hohen Quader gestellt. Eine Softbox-Studioleuchte oberhalb und zwei LED-Panels rechts und links des Objekts sorgten für die nötige Ausleuchtung (siehe Abb. 1). Die Kamera wurde auf einem Stativ befestigt, das für die unterschiedlichen Aufnahmepositionen jeweils manuell verstellt wurde.

Vorgehen bei der Bildgewinnung:
Es wurde nach dem für Photogrammetrie-Aufnahmen üblichen Schema vorgegangen.

Verteilt auf fünf Höhenstufen wurden je zwischen 16 und 19 Fotos in einer Kreisbewegung um das Objekt herum geschossen. Auf den fünf Höhenebenen wurden insgesamt 93 Fotos angefertigt, von denen drei gelöscht wurden, weil das Stativ und die Kamera einen deutlichen Schatten auf das Objekt warfen. Zusätzlich wurden 23 Detailaufnahmen vom Kopf und den Schulterpartien angefertigt, von denen 20 verwendet wurden. Für die Modellerstellung sind demnach 110 brauchbare Bilder entstanden.

Abb. 1: Beleuchtungsaufbau

Abb. 2: Frontale Aufnahme aus der zweitniedrigsten Höhenstufe.

Anmerkung: Beginnend mit der ersten Aufnahme auf der fünften Höhenstufe wurde die Brennweite ausversehen von 32 mm auf 33 mm verstellt. Vermutlich kam dies zustande, weil die Kamera leicht nach unten geneigt werden musste, um die Oberseite des Kopfes zu fotografieren. Es hätte besser ein Objektiv mit Festbrennweite verwendet werden sollen, so wie nach mir Sebastian Belt bei seiner Büste.

C) Modellerstellung
Verwendete Software, Version: Agisoft, v1.3.2.
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 110 (von 116)
Nachbearbeitung der Bilder: 6 unscharfe Bilder oder Bilder mit deutlich erkennbarem Schattenwurf wurden vor der Modellerstellung gelöscht.
Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: keine

Das Modell wurde am Rechner des Lehrstuhls für Digital Humanities im dortigen „Digital Cultures Lab“ berechnet. Nach der Fertigstellung der Point Cloud (Abb. 3) fiel auf, dass darin die Unterseiten der Schultern jeweils ein recht großes Loch aufwiesen. Zunächst habe ich befürchtet, dass ich diesen Teil der Büste nicht ausreichend abgedeckt habe, da ich ihn nur frontal und schräg von oben nicht aber von unten fotografiert habe. Unterhalb der Schulter befindet nämlich ein stark schattierter Bereich, für den eigentlich genauere Detailfotos nötig gewesen werden. In der darauf aufbauenden Dense Cloud (Abb. 4) waren diese Löcher allerdings bereits größtenteils – bis auf kleinere Lücken an den Rändern – geschlossen. Im endgültigen texturierten Modell (Abb. 5) waren sie komplett verschwunden.

Abb. 3: Schulter, Point Cloud

Abb. 4: Schulter, Dense Cloud

Abb. 5: Schulter, texturiertes Modell

 

Literatur

Duchhardt, Heinz / Schnettger, Matthias (2015): Barock und Aufklärung. Bd. v.11. 5. Aufl. Berlin/Boston: De Gruyter.

Groeschel, Julius M. (1924): Verzeichnis der Sammlung bau- und kunstgeschichtlicher Funde auf Schloß Neuburg am Inn. In: Monatsschrift des bayerischen Landesvereins für Heimatschutz 20, 92–111.

Landfester, Manfred (2014): Renaissance-Humanismus. Lexikon zur Antikerezeption. Stuttgart: J.B. Metzler.

Mitterwieser, Alois (1924): Die Herren der Grafschaft Neuburg am Inn. In: Monatsschrift des bayerischen Landesvereins für Heimatschutz 20, 145–146.

 

RTI – Aufnahmen und Dokumentation Armbrustbolzen – Set Nr. 7-9, Fundort Julbach

Dieser Beitrag beinhaltet die Dokumentation der Aufnahmen zur Erstellung der RTI-Dateien zu den einzelnen Objekten, auf Basis des im Kurs verwendeten Dokumentationsschemas oder sog. Shooting-Logs für RTI-Aufnahmen, das in diesem Kurs verwendet wird. Da es sich um ein Set von gleichartigen Objekten handelt, wurden diese hier gebündelt erfasst.

A) Objekt / Gegenstand

Kurzbeschreibung:  In diesem Beitrag / Dokumentation werden 3 von insgesamt 10 Bolzen behandelt. Bolzen 1-5 wurden in einem vorhergehenden Beitrag behandelt. Für alle Armbrustbolzen gilt: sie stammen vom Fundort Julbach (Infos zur genaueren Verortung im Areal liegen bisher nicht vor), bestehen aus Eisen, weisen teilweise Roststellen und Abplatzungen auf, wo dies nicht der Fall ist, haben sie eine glänzende, unebene Oberfläche.   In ihrer Form weichen sie stark voneinander ab. Weitere Unterschiede bestehen in Größe, Zustand und Ausformungsdetails, diese werde gesondert angegeben. Ein Blick in die Literatur (Zimmermann, Bernd: Mittelalterliche Geschossspitzen. Kulturhistorische, archäologische und archäometallurgische Untersuchungen, Basel, 2001)  ergab zwischenzeitlich, dass Bolzen 1, 2, 5, 7 und 9 zum sog. Schaftdorn – Typus gehören, bezeichnend für die bei diesen Exemplaren aus Julbach erhaltene Verankerung im Pfeilschaft. Auch die übrigen Bolzen des Sets  können diesem Typus möglicherweise angehören, doch ist hier keine Verankerung mehr erhalten.
Zum historischen Kontext sind bisher keine Angaben bekannt, ein terminus ante quem ergibt sich aus der Zerstörung der Burg im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs 1504, ohne eingehendere Vergleiche und archäologisch fundierte Datierung lassen sich die Stücke in das späte Mittelalter bzw. 14. – 15. Jahrhundert einordnen.

Bolzen 7
Screenshots der Darstellungs-Modi im RTI-Viewer zu Bolzen 7, Mitte: Details von Spitze und Schaft

Bolzen 7: insg. ca. 8 cm lang, max. 9 mm breit, kleiner Rest der Pfeil-/ Schafftverankerung erhalten (7 mm).  Stark beschädigte Obefläche.

Form: Rautenförmiger Querschnitt ; die pyramidale Spitze macht etwa ein Sechstel des Bolzens aus. Vom breitesten Abschnitt direkt hinter der Spitze verdünnt sich der Bolzen bis zum hintersten Drittel deutlich, wird bis zur Schaftverankerung aber wieder etwas breiter.

 

Bolzen 8: insg. ca. 9,5 cm lang, max. 7 mm breit, Pfeil-/ Schafftverankerung teilweise erhalten (9 mm).

Form: Quadratischer Querschnitt; der stärkste Bereich (zwei Viertel) befindet sich vor der pyramidalen Spitze, die das vordere Viertel ausmacht, die Verjüngung zum Schafftansatz entsprechend ein Viertel.

 

Bolzen 9: insg. ca. 8 cm lang, max. 10 mm breit, Pfeil-/ Schafftverankerung erhalten (13 mm). Starke Absplitterungen an der Spitze, der Rest fast unbeschädigt.

Form: Flache pyramidale Spitze mit rautenförmigem Querschnitt (erstes Drittel). Runde Verjüngung zum Schaftansatz (zweites Drittel). Runde dünne Schaftverankerung (letztes Drittel).

B) Aufnahme / Bildgewinnung

Ort, Zeit, Personal:

Universität Passau, Digital Humanities Lab  (HK14b), 10:30-12 Uhr, Magdalena März und 5 Kursteilnehmer
Kamera: Canon EOS 6D, Objektiv: 100mm Festbrennweite
Aufnahmesituation: räumliches Umfeld: im Innenraum / Lab,  halbverdunkelt
RTI-Aufnahmemethode: Freihand/ Highlighting-Methode
Aufbau: Kameraposition fest 90° Grad über dem Objekt an Stativ, Unterlage mit RTI-Hilfskreisschema zur Orientierung / Lichtpositionierung, RTI-Referenz-Kugeln: zwei Kugeln mit 10mm Druchmesser
Kameraeinstellungen:

Modus: manuell
Datenformat:   JPEG,  Auflösung:  5472 x 3648 Pixel  / 1.6 MB
Belichtung: ISO  100;  Brennweite 58, Blendenzahl 22, Verschlusszeit    0,4 s
Fokussierung:  Autofokus zur Justierung / Schärfeneinstellung vor Beginn des Aufnahmesets, danach umgestellt auf  manuell und nicht mehr verändert.
Fernauslöser: Ja; Steuerung via PC / Software, hier: Canon Utility

Vorgehen bei der Bildgewinnung:
Anzahl der Winkel: 4,  Anzahl der ‚Speichen‘: 12 => angestrebte Anzahl der verwendeten Aufnahmen / Lichtpositionen:  48

C) Modellerstellung

Verwendete Software, Version: RTIbuilder
Anzahl der Aufnahmen für das jeweils zu erstellende Modell: 48
Nachbearbeitung der Bilder: keine
Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: in wenigen Fällen musste die erkannte erkannte Kugelgröße bei Erstellen der RTI-Datei in der Software manuell angepasst werden.