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RTI: Zierbeschlag eines Gürtels

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A. Objektbeschreibung und Kontextualisierung

Zierbeschalg
Das Objekt: Ein Zierbeschlag aus der Burgruine Hilgartsberg.

Das Objekt (Fundatalog-Nr. 47f) mit den Maßen 5 x 0,8 cm besteht aus Buntmetall. Die Oberfläche glänzt metallisch, weißt jedoch auch Alterungserscheinungen wie matte Verfärbungen auf. Es wurde während den Ausgrabungen der Kreisarchäologie Passau von 2005-2008 auf der Burgruine Hilgartsberg gefunden.

Es handelt sich hierbei um einen langen, rechteckigen Beschlag eines mittelalterlichen Gürtels. Diese Form zählt zu den häufigsten Beschlagsformen[1] und wurde meist für Verzierungen genutzt, z. B. in Form von Wappendarstellungen, Gravierungen, Durchbruchmotive und Reliefdarstellungen (häufig florale und figürliche Motive wie Menschen, Pflanzen, Tiere und Fabelwesen oder ornamentale Muster).[2]

Die verzierte Schauseite des Objekts wird durch eine mittige Buckelreihe in zwei Bereiche getrennt. Auf der linken, längeren Seite sind zwei lange waagrechte und rechteckige Vertiefungen zu erkennen. Zwischen ihnen und der Buckelreihe sind zwei kreisrunde Vertiefungen zu sehen, wobei eine mit einem Durchbruch beschädigt ist. In diesen zwei Mulden waren ursprünglich vielleicht Perlen oder Schmucksteine als Zierde befestigt. Das Ende der linken Seite ist beschädigt, jedoch lassen sich noch zwei herausragende Stifte erkennen, welche möglicherweise die Beschlagslaschen waren, an denen die Gürtelschnalle befestigt war (vgl. Skizzen).

Skizze des Objekts mit ergänzter Gürtelschnalle.

 

Gürtelschnalle von ca. 1230, Abbildung aus: Ditmar-Trauth 2000, S. 47.

 

Gürtelschnalle von ca. 1240-1250, Abbildung aus: Ditmar-Trauth 2000, S. 48.

 

Vor dem linken Rand des Objekts ist noch ein Nietenloch zuerkennen, dass auf selber Höhe auch auf der gegenüberliegenden, rechten Seite zu beobachten ist. Auf der rechten Seite ist eine reliefartige, ornamentale Verzierung zu erkennen (zwei Bögen, die jeweils in hackenförmigen Verdickungen enden), die jedoch nicht näher bestimmt werden konnte (möglicherweise handelt es sich um ein Blattmotiv o. ä.). Im Zuge der Recherche wurden leider auch keine anderen, vergleichbaren Verzierungen auf Beschlägen gefunden. Die Fläche des Reliefs wird durch eine rechteckige, rahmenartige Linienzier begrenzt.

An der unteren Seite des Objekts ist der aufgebogene Rand des Beschlags zu sehen. Ursprünglich war dieser nach hinten gebogen, um die Riemenkanten zu umfassen.[3] Am rechten Rand des Objekts sind noch sechs kleine Einkerbungen zu beobachten.

Da keine Informationen über das Material des Objekts vorhanden sind, lässt sich nur durch die ornamentale Verzierung schließen, dass der Gürtel wohl eher von einer wohlhabenderen Person getragen wurde, da es laut mittelalterlichen Kleiderordnungen ärmeren Klassen verboten war, schmuckvolle Gürtel zu tragen, die ihrem niederen Stand nicht entsprochen hätten.[4] Jedoch gab es häufig auch Verstöße gegen die Kleiderordnungen durch gesellschaftliche Aufsteiger, die ihren Wohlstand ebenso präsentieren wollten, wie die oberen Schichten.[5]

Aufgrund der schmalen Gestalt des Beschlags kann der Gürtel in den Zeitraum um 1200 [6] bis etwa 1450 datiert werden, da ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts besonders breite Gürtel in die Mode kamen[7] oder aber die schmalen Gürtel eher mit renaissanceartigen Elementen verziert waren.[8] Für eine Datierung in das 14. Jahrhundert spricht auch, dass die überlangen, schmalen Gürtel damals mit einem reichen Zierbesatz ausgestattet waren, wobei das „Dekor und [die] Verklammerung der Beschläge […] eine starke Beeinflussung aus der gotischen Architektur”[9] aufweisen, wie es bei ebenfalls in Hilgartsberg gefundenen Zierbeschlägen der Fall ist (vgl. Objekt 47g mit Vierpass-Verzierungen).

Warum dieser Zierbeschlag in Hilgartsberg geblieben ist und bei Grabungen gefunden werden konnte, lässt sich nur spekulieren. Die kriegerische Auseinandersetzung (1356-1359) zwischen Herzog Albrecht von Niederbayern und dem Burgpfleger Ecker von Eck, die mit einer Belagerung und Einnahme (wahrscheinlich auch Plünderung) der Burg endete, kann jedoch nicht zur Datierung beitragen, da die Burganlage danach weiterhin in Benutzung war.[10] Wahrscheinlicher ist, dass der Zierbesatz im Alltagsgeschehen von dem Gürtel abgefallen und verloren gegangen ist oder aber dass, dieser Zierbesatz weggeschmissen wurde, da er kaputt gegangen ist und damit unbrauchbar war.

 

Der mittelalterliche Gürtel und sein Besatz

Da es sich bei dem Objekt um den Bestandteil eines mittelalterlichen Gürtels handelt, soll dieser und sein Besatz nun näher untersucht werden.

Seit jeher wurde der Gürtel dazu verwendet, den Halt der Kleidung am Körper zu unterstützen. Im Mittelalter diente er außerdem der Befestigung verschiedener Gegenstände, wie bspw. Taschen oder andere Utensilien.[11]

Gürtelgehänge einer Figur auf der Grabplatte des Mainzer Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein, um 1249, Mainzer Dom.
Bildquelle: Siebert, Guido: Der Naumburger Meister, Bd. I, Petersberg 2011, S. 619.

 

Zugleich war er jedoch ein Schmuckstück und konnte Demonstrationszwecken dienen.[12] Vor allem ab dem 14. Jahrhundert, als extrem körperbetonte Mode getragen wurde, bedurfte es der ursprünglichen „Gewandraffer”-Funktion des Gürtels nicht mehr, sodass dieser lediglich als Accessoire getragen wurde.[13]

Der mittelalterliche Gürtel bestand aus einem Riemen aus Leder oder anderem textilem Material, wobei vor allem die Ledergürtel mit Metallbeschlägen in verschiedenster Form verziert waren.[14] Über das Aussehen mittelalterlicher Gürtel geben vor allem gotische Malereien und Skulpturen ab dem 13. Jahrhundert Auskunft.[15]

Gürtel der Maria Magdalena, Ausschnitt aus: Kreuzabnahme, ca. 1430 – 1435, Rogier van der Weyden, Bildquelle: The Prado Museum.

 

Gürtel der Muttergottes, Ausschnitt aus: Maria mit dem Kind (Birnenmadonna), ca. 1510-1515, Klosterneuburg.
Bildquelle: Antje Köllermann (Hg.): Van Eyck bis Dürer (Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa), Brügge 2010.

 

Die Zierde eines Gürtels wird auch als Gürtelbesatz bezeichnet, wobei darunter all jenes fällt, das auf dem Gürtel befestigt wurde oder an ihm hängt, wie beispielsweise Edelsteine, Edelmetalle in Form von Schmuckornamenten, Ziernägel, Fransen, Quasten, Bommel oder Schellen.[16]

Schellengürtel (sog. Dusing), Ausschnitt aus: Minneallegorie mit Spielszenen, sogenannter Spieleteppich (Bildteppich), um 1400.
Bildquelle: http://objektkatalog.gnm.de/objekt/Gew668 (01.08.2018).

 

Der Gürtelbesatz war jedoch nicht nur Dekoration, sondern hatten  meist auch eine praktische Funktion: Metallbeschläge sollten die Stabilität des Riemens unterstützen, Ziernägel haben den Riemen oder die Borte mit den Zierbeschlägen verbunden, Bortenstecker (siehe Abb.) sorgten dafür, dass die Borte sich an den oberen und unteren Ecken nicht zusammenrollte und Lochschützer verhinderten das Einreißen der Löcher, durch welche der Dorn der Gürtelschnalle geführt wurde.[17]

Bortenstecker am Gürtel des Ekkehard II. von Meißen im Dom zu Naumburg, zwischen 1243-1249, sog. Naumburger Meister.
Bildquelle: Siebert, Guido: Der Naumburger Meister, Bd. II, Petersberg 2011, S. 985.

 

Da der Gürtel aus unterschiedlichen Materialien bestand, waren bei seiner Herstellung mehrere Berufsgruppen beteiligt.[18] Darunter fallen u. a. die Riemenschneider, die Bortenwirker, der Gürtler (der den Gürtel näht und beschlägt) und die Schnallenmacher.[19]

 

[1] Ditmar-Trauth, Gösta: Fibel- und Gürtelmode der Hochgotik, Wald-Michelbach 2000, S. 43.

[2] Ditmar-Trauth 2000, S. 43 und Schopphoff 2009, S. 52.

[3] Vgl. Beschreibung bei Heynowski 2017, S. 153, Objekt 3.1.

[4] Schopphoff 2009, S. 87.

[5] Schopphoff 2009, S. 84.

[6] Schopphoff 2009, S. 10.

[7] Schopphoff 2009, S. 12.

[8] Siehe z. B. Harder, Jörg: Segmentgürtel mit mehrteiliger Anhängerkombination. Ein Frauenschmuckgürtel der Renaissance, in: Historische Archäologie, Jahrgang 2010, Bd. 3, S. 1-20, siehe: http://doczz.net/doc/5741077/j%C3%B6rg-harder—historische-arch%C3%A4ologie (01.08.2018).

[9] Loschek, Ingrid: Accessoires. Symbolik und Geschichte, München 1993, S. 63.

[10] Vgl. Fingerlin, Ilse: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München, Berlin 1971 (Kunstwissenschaftliche Studien, Band XLVI), S. 18.

[11] Heynowski, Ronald: Gürtel. Erkennen, bestimmen, beschreiben, Berlin, München 2017 (Bestimmungsbuch Archäologie 5), S. 11.

[12] Heynowski 2017, S. 11. Dem Gürtel wurde außerdem eine symbolische Funktion zugesprochen. Von Männern getragen, war er stets ein Zeichen der Kraft und Unbesiegbarkeit, sodass beispielsweise der sprachliche Ausdruck „sich gürten” als „sich für den Kampf bereit machen” verstanden wird. Der Gürtel bei Frauen wurde hingegen als Symbol ihrer Tugendhaftigkeit und Keuschheit verstanden. Siehe Heynowski 2017, S. 11. Für eine ausführliche Darlegung der Gürtel-Symbolik u. a. im Bereich der Eheschließung und als Liebespfand, als militärisches Rangabzeichen und im christlichen Kontext siehe Schopphoff, Claudia: Der Gürtel. Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter, Weimar, Wien 2009 (Pictura et Poesis. Interdisziplinäre Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst, Band 27).

[13] Schopphoff, Claudia: Der Gürtel. Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter, Weimar, Wien 2009 (Pictura et Poesis. Interdisziplinäre Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst, Band 27), S. 10.

[14] Ditmar-Trauth, Gösta: Alltag und Sachkultur des Mittelalters in Bildquellen von 800 bis zum Anfang des 14. Jh., Münster 2006, S. 484.

[15] Ditmar-Trauth 2006, S. 484.

[16] Schopphoff 2009, S. 45.

[17] Heynowski 2017, S. 179 und Schopphoff 2009, S. 53.

[18] Fingerlin 1971, S. 24.

[19] Fingerlin 1971, S. 24.

B.      Digitalisierungsprozess

Die Aufnahmen wurden am 18.07.2018 in dem Digitalisierungslabor des Lehrstuhls Digital Humanities der Universität Passau gemacht. Das Labor wurde für die Aufnahmen abgedunkelt, sodass es lediglich einen leichten Einfall von Tageslicht gab.

C.     Equipment

Folgende Gegenstände wurden für die Digitalisierung des Objekts verwendet:

  • Kamera EOS 100D
  • Festbrennweitenobjektiv 100mm
  • Reprostativ (Abstand zwischen Kamera-Objekt: etwa 50cm)
  • Drehteller mit LED-Leuchte
  • 2x RTI-Kugel (5mm)
  • PC mit Software Canon Utility zur  Kamerabedienung per Fernauslöser
  • Verbindungskabel (PC-Kamera)

D.   Aufnahmen

Die Aufnahmen wurden mit folgenden Kameraeinstellungen angefertigt:

  • Modus: Fernauslöser, Autofokus
  • Weißabgleich: automatisch
  • Blende: F/14, Brennweite: 100cm
  • ISO 100, Belichtungszeit: 3,2 sek.
  • Auflösung: 3456 x 5184 Pixel
  • Speicherformat: jpeg

Für die Bildgewinnung wurde ein Reprostativ verwendet, an welchem die Kamera befestigt wurde. Das Festbrennweiten-Objektiv war hierbei auf das Objekt gerichtet, dass in der Mitte eines Drehtellers, zusammen mit zwei RTI-Kugeln, platziert war. An dem Drehteller ist ein Arm befestigt mit dessen Hilfe die vertikale Lichtposition der LED-Taschenlampe auf 5 Winkel (60°- 50°-40°-30°-20°) verstellt werden konnte. Für jeden Winkel wurde der Arm in 10° Schritten um den Drehteller bewegt, sodass das Objekt aus 12 verschiedenen, horizontalen Lichtpositionen (‚Speichen‘) fotografiert wurde. Schlussendlich ergaben sich hierbei 60 Aufnahmen des Objekts.

Aufnahmesituation: Reprostativ und Drehteller.

 

Objekt auf dem Drehteller mit zwei RTI-Kugeln.

E.            Modellerstellung

Für die Modellerstellung mit der Software „RTI-Builder” wurden die Bilder nicht nachbearbeitet.

Um das Modell zu erstellen wurde im RTI-Builder zunächst ein neues Projekt gestartet und die Fotos des Objektes (gespeichert in einem Ordner mit der Bezeichnung „jpeg-expots”) in die Software hochgeladen.

Im nächsten Arbeitsschritt wurden die beiden RTI-Kugeln jeweils mit dem Befehlen ‚add area‘ und ‚detect spheres‘ ausgewählt und im Folgenden mit ‚highlight detection‘ die Lichtpunkte auf den RTI-Kugeln bestimmt.

Der Screenshot zeigt alle Lichtpositionen der 60 Aufnahmen.

Im Anschluss wurden die Bilder mit dem Befehl ‚use crop‘ so zugeschnitten, dass nur noch das Objekt zu sehen war.

Screenshot zeigt den ausgewählten Bildbereich.

 

Bestätigt wird die Bildauswahl mit ‚execute‘, woraufhin die Software beginnt das Modell zu berechnen. Es erscheint die Nachricht ‚Fitting completet‘ und das fertige Projekt kann nun mit dem RTI-Viewer geöffnet werden.

Objekt im RTI-Builder (‚Default‘-Modus),

 

Objekt im RTI-Builder ( ‚Specular-Enhancement‘-Modus).

 

Objekt im RTI-Builder ( ‚Normals-Visualization‘-Modus).

 

Es ergab sich jedoch zunächst folgendes Problem: Anfangs erschien nach dem letzten Arbeitsschritt die Fehlermeldung ‚Improper call to JPEG library in state 2000‘ (Abb.) und das Modell konnte nicht fertiggestellt werden. Grund hierfür war vermutlich, dass die Fotos zu oft auf dem PC hin und hergeschoben wurden, denn das Problem wurde gelöst, indem dem Programm die originalen Fotodateien direkt vom USB-Stick (ursprünglicher Speicherort) zugespeist wurden. Die Software konnte das Modell danach ohne Probleme fertig stellen.

Fehlermeldung nach dem letzten Arbeitsschritt.

 

F.  Fazit

Mit Hilfe des RTI-Modells kann man die Verzierungen des Objekts wesentlich besser erkennen, denn der zweite ornamentale Bogen war mit bloßem Auge kaum zu sehen.

Ein allgemeiner Vorteil von RTI-Modellen ist, dass durch die online Veröffentlichung dieses Objekt, nun jeder eine Zugriffsmöglichkeit auf dieses hat. Es besteht also keine Notwendigkeit mehr für Forschungszwecke an den Ort zu reisen, an dem das Objekt aufbewahrt wird.

 

G. Literaturverzeichnis

Ditmar-Trauth, Gösta: Fibel- und Gürtelmode der Hochgotik, Wald-Michelbach 2000.

Ditmar-Trauth, Gösta: Alltag und Sachkultur des Mittelalters in Bildquellen von 800 bis zum Anfang des 14. Jh., Münster 2006.

Fingerlin, Ilse: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München, Berlin 1971 (Kunstwissenschaftliche Studien, Band XLVI),

Heynowski, Ronald: Gürtel. Erkennen, bestimmen, beschreiben, Berlin, München 2017 (Bestimmungsbuch Archäologie 5).

Loschek, Ingrid: Accessoires. Symbolik und Geschichte, München 1993.

Lungershausen, Axel: Buntmetallfunde und Handwerksrelikte des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus archäologischen Untersuchungen in Braunschweig, Rahswn/Westf. 2004 (Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 34).

Schopphoff, Claudia: Der Gürtel. Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter, Weimar, Wien 2009 (Pictura et Poesis. Interdisziplinäre Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst, Band 27).

 

Kontextrecherche Zierbeschläge

Über die Entwicklung historischer Beschläge gefunden auf peraperis.com

Verwendung der Beschläge am Gürtel:

Mittelalterliche Gürtel bestanden zumeist aus langen Gürtelriemen, welche sowohl mit Gürtelschnalle als auch geknotet getragen wurden. An den Enden der Gürtelriemen wurden oft Gürtelenbeschläge, sogenannte Zierzungen getragen. Neben dem modischen Aspekt, erleichterte der Gürtelendbeschlag bzw. die Zunge das durchziehen des Riemens durch die Gürtelschnalle sowie das Knoten.

Desweiteren weißen mittelalterliche Funde oft Beschläge entlang des Gürtels auf. Solche Ziernieten wurden entweder nur am nach der Knotung herunterhängendem Riemenende oder aber auch den ganzen Gürtel hindurch angebracht. Hier gibt es je nach Zeit und Mode Tier- Florale oder heraldische Symbole.

Spätmittelalterliche Taschen wurden oft mit sogenannten Taschenbeschlägen auf dem Taschendeckel versehen. Zum einen dienten diese Beschläge als Accessoire, zum anderen beschwerten sie aber auch den Deckel der Tasche, sodass dieser sich nicht aufwölbte.

Gefunden auf: https://vehi-mercatus.de/Mittelalterliche-Beschlaege

Abgerundete Zierbeschläge (Riemenbeschläge ) werden auch Riemenzunge genannt. Siehe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Riemenzunge

 

Literatur:

Hoppe,K.-D. : Vier mittelalterliche Gürtelteile aus Wismarer Schwindgruben. – Ausgrabungen und Funde 36 (3), 147–151, in: Geschichte am Obermain / Colloquium Historicum Wirsbergense. – Lichtenfels. – 19. 1993/94
Ausleihbar via: http://gateway-bayern.de/BV002705688

Fingerlin, Ilse: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München 1971. Ausleihbar via: http://gateway-bayern.de/BV001940648

Schopphoff, Claudia: Der Gürtel. Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter, Köln / Weimar 2009. Online auf Google Books

Harder, Jörg: Segmentgürtel mit mehrteiliger Anhängekombination – Ein Frauenschmuckgürtel der Renaissance, in: Historische Archäologie Bd.2 / 2010, online unter: http://doczz.net/doc/5741077/j%C3%B6rg-harder—historische-arch%C3%A4ologie
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mendel_I_013_v.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mendel_I_063_v.jpg

RTI-Aufnahme und Dokumentation Münze Nr. 6b „Händlein-Heller“, Fundort Julbach

Screenshot Viewermodus Normals Visualization

Screenshot Viewermodus: Specular Enhancement

A) Objekt / Gegenstand: Münze Nr.6b– Händlein-Heller

Kurzbeschreibung:
Der Beitrag zeigt RTI-Aufnahmen einer Silbermünze aus Julbach. Die Münze hat eine matte Oberfläche mit reliefartigen Erhöhungen und wiegt 0,54 Gramm. Auf der Vorderseite kann man eine Hand erkennen mit Punkten unter Ring- und Mittelfinger als Emissionszeichen. Die Rückseite dagegen zeigt ein Kreuz in Linienkreis mit gegabelten Enden; in den Kreuzgabeln finden sich Kugeln.

Historischer Kontext, Literaturangaben:
Die Münze stammt aus Schwäbisch Hall (Stadt als Prägeherr), zu Anfang des 14. Jahrhunderts.

Mehr Information: Albert Raff, Die Münzen und Medaillen der Stadt Schwäbisch Hall, Freiburg im Breisgau 1986

B) Aufnahme / Bildgewinnung
Ort, Zeit, Personal: Kulturgut-Seminar, Labor Passau, 30.05.2018, Julia Vollbrecht, Sandra Holler, Rebecca Cischek

Kamera: Canon EOS 100D

Objektiv: 100mm Festbrennweitenobjektiv

Aufnahmesituation: räumliches Umfeld, Lichtverhältnisse
abgedunkeltes Labor, Reprostativ mit Drehteller, inklusive LED-Lampe als Leuchtmittel
2 RTI-Referenz-Kugeln, 5mm

Kameraeinstellungen:
Kameramodus: automatisch
Datenformat: JPEG
Auflösung: 72 dpi / 5184 x 3456 Pixel

Belichtung: ISO 100
Brennweite: 100
Blendenzahl: F14
Verschlusszeit: 3,2s

Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: automatisch
Fokussierung: Autofokus
Fernauslöser: Ja + Steuerung via PC / Software, hier Canon Utility
Vorgehen bei der Bildgewinnung: 5 Winkel mit jeweils 12 Speichen am Drehteller

C) Modellerstellung
Verwendete Software, Version: RTI Builder
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 120 pro Seite

PHOTOGRAMMETRIE – Aufnahme und Dokumentation des Terrakotta-Engelsköpfchens aus Schloss Neuburg am Inn, Kat. Nr. 177

A) Objektkontext

Bei dem fotografierten Fundstück handelt es sich um einen Engelskopf mit Flügeln und gelocktem Haar. Das Objekt ist aus Terrakotta und stammt vom Fundort Neuburg am Inn. In der Breite fasst der Kopf mitsamt Flügeln 22,5 cm, die Länge beträgt 24,5 cm und auf die flache Seite gelegt ist die Figur 11,5 cm hoch.

Schloss Neuburg am Inn wurde im 11.  Jahrhundert von einer Formbacher Grafenfamilie gegründet, die ihren Herrschaftssitz als Höhenburg, um sich symbolisch wie auch physisch über die Untertanen zu erheben, errichten ließen. Bis 1803 war die Neuburg Herrschaftsmittelpunkt der Grafschaft Neuburg, die, sich seit 1310 in Habsburger Besitz befindend, österreichischem Herrschaftsgebiet angehörte. Über die Jahrhunderte hinweg wurden an der Burg mehrere Umbauvorgänge durchgeführt welche beispielweise eine Verstärkung der Wehrhaftigkeit oder Machtdemonstration zum Zwecke hatten. Durch die schnelle Entwicklung der Kriegstechnik und das Auftauchen von Feuerwaffen verlor die Neuburg im 15. Jahrhundert weitgehend ihre Wehr- und Schutzfunktion.

Um das Jahr 1530 begann Graf Niklas III. (1503-1550) von Salm die Burg mittels umfassender Umbauarbeiten durch Wolf Huber (ca. 1485-1553) in ein Renaissanceschloss zu verwandeln. Eine zentrale Rolle spielte hierbei der Garten als Ort der Muße aber auch zu Repräsentationszwecken. Weiterhin große Bedeutung kommt den Terrakotta-Ornamenten zu, die einerseits zeit- und kostengünstig herzustellen waren, andererseits durch ihre Raffinesse in ihrer Funktion der Demonstration eines neuen Lebensstils, Großartigkeit und Ruhm ihre volle Wirkung zeigten. Durch die Änderungen verlor die Burg an militärischer Bedeutung um jedoch an Prestige zu gewinnen. Die Neuburg wurde architektonischer Vorreiter zahlreicher ähnlicher Schlossbauten.

Das Engelsköpfchen war zum Zwecke der Dekoration als Konsole unter den Rippensätzen angebracht. Die Vermutung legt nahe, dass das Fundstück aus der oben genannten Umgestaltungsphase unter Graf Niklas III. stammt, genaueres ist jedoch nicht bekannt.

 

B)  Aufnahmeprozess

Ort, Zeit, Personal: Die Aufnahmen wurden im Labor für Kulturgutdigitalisierung am Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Passau (Raum 204 HK14d)  am 07.03.2018 um circa 10.00 Uhr gemacht. Anwesend waren die Teilnehmer des Seminars sowie Magdalena März und Sebastian Gassner.

Equipment und Einstellungen:

  • Kamera: Canon EOS 100D
  • Objektiv: 100mm Festbrennweite
  • Modus: Autofokus
  • Blende: F32; ISO: 100 Belichtungszeit: 2 Sekunden
  • Fernauslöser, USB-Verbindung zwischen Kamera und PC
  • Aufnahmemethode: Drehteller und Stativ
  • Aufbau: Innenraum, abgedunkelt; zwei LED-Panels ca. 40cm links und rechts des Objekts, eine Softbox-Studioleuchte, die das Objekt von oben beleuchtet hat
  • einzige Lichtquelle abgesehen von Schirm- und LED-Lampen: Beleuchtung des Drehtellerarms für RTI-Aufnahmen am anderen Ende des Raums
  • Plastikring zur Stabilisierung des Objekts
  • Dateiformat: JPEG

 

Aufnahmen:

Dies ist der zweite Versuch den Engelskopf zu fotografieren, der erste Versuch wurde in Neuburg unternommen. Insgesamt wurden von Ober- und Unterseite insgesamt 255 Aufnahmen auf 7 Ebenen und einigen wenigen Detailaufnahmen gemacht. Es wurden so viele Aufnahmen gemacht, da die Software beim ersten Versuch die Kamera immer an die gleiche Position gesetzt hat und somit kein Modell erstellen konnte. Die Vermutung war, dass es zu geringe Überschneidungsbereiche zwischen den Bildern gab was dazu führte, dass sich die Softaware nicht orientieren konnte.

Hier erkennt man die Dichte der Aufnahmen und die Verteilung auf sieben Ebenen

 

 

 

 

 

 

C) Modellerstellung

Die Bilder wurden ohne weitere Bearbeitung direkt von dem Programm Agisoft PhotoScan Professional (64 bit) Version 1.3.2 verarbeitet. Die Software gibt eine bestimmte Reihenfolge an Arbeitsschritten vor, welche nacheinander durchgeführt wurden. Die Bilder-Sets von Vorder- und Rückseite wurden hierbei zunächst separat behandelt, in einem weiteren Schritt wurden die beiden Chunks zusammengefügt. Auch nach der Erstellung des Modells wurden keine weiteren Bearbeitungsmaßnahmen vorgenommen, abgesehen von dem Entfernen überflüssiger Bildpunkte in der Punktewolke, die nicht zu den Objekt selbst gehörten.

Das Modell wurde am Rechner im Labor für Kulturgutdigitalisierung des Lehrstuhls für Digital Humanities berechnet für den folgende Daten gelten: Rechnerkonfiguration: Intel Core2 Quad CPU / 4x 2.8GHz, Arbeitsspeicher: 8,00 GB, Windows 7 Pro/64Bit, Grafikkarte: NVIDIA GeForce GTX 750Ti mit 2048MB Speicher.

RTI–Aufnahme und Dokumentation Bronzeknopf, Kat. Nr. 38, Fundort Julbach

Dieser Beitrag beinhaltet die Dokumentation der Aufnahmen zur Erstellung der RTI-Datei zum genannten Objekt, auf Basis des im Kurs verwendeten Dokumentationsschemas, des sog. Shooting-Logs für RTI-Aufnahmen.

A) Objekt, Kurzbeschreibung und Kontext

In diesem Beitrag wird ein Knopf beschrieben, der bei der Burgruine Julbach gefunden wurde. Er besteht aus Bronze und weist eine matte, glatte Oberfläche mit feinen Kratz- oder Schleifspuren auf. Der Knopf hat einen runden Grundkörper mit einem Durchmesser von ca. 3 cm, auf dessen Oberfläche sich auf den Mittelpunkt punktsymmetrische, vergoldete Verzierungen befinden. Auf der Rückseite steht eine Schlaufe zur Befestigung an der Kleidung heraus (Höhe ca. 1 cm). Zum historischen Kontext sind bisher keine Angaben bekannt, ein terminus ante quem ergibt sich aus der Zerstörung der Burg im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs 1504. Da der Fund in den Grabungsberichten (hier einsehbar) nicht erwähnt wird und teilweise die ausführlichen Fundkataloge fehlen, lässt sich sonst nichts Genaueres sagen.

B) Aufnahme

Ort, Zeit, Personal: Universität Passau, Digital Humanities Lab (HK14b) am 07.02.2018, 10:30-11:15 Uhr durch Tobias Bloch, außerdem anwesend waren Sebastian Gassner und Melanie Bauer

Kamera: Canon EOS 100D

Objektiv: 50mm Festbrennweite

Aufnahmesituation:

  • Räumliches Umfeld: Innenraum (Lab), halbverdunkelt
  • RTI-Aufnahmemethode: RTI-Drehteller mit Lampenarm zur Ausleuchtung des Objekts und zwei RTI-Referenzkugel mit einem Durchmesser von 5 mm, aufgebaut auf einer Reprostation mit Stativ zur Kamerapositionierung und ‑Fixierung; USB-Kabels zur Verbindung von Kamera und PC.
  • Aufbau: Kameraposition fest 90° Grad über dem Objekt an Reprogerät, Unterlage mit RTI-Hilfskreisschema zur Orientierung/Lichtpositionierung, zwei RTI-Referenz-Kugeln mit 5 mm Durchmesser, die mit Knetmasse befestigt wurden. Da auf der Unterseite des Objekts eine Metallschlaufe herausstand, mussten neben diese Schlaufe unter den Knopf zwei Stifte gelegt werden, damit der Knopf gerade auflag und nicht immer auf eine Seite kippte. Da der Knopf so allerdings höher als die Kugeln positioniert war, wurden der Knopf und die Kugeln auf ein Stück Pappe gelegt, in das ein Loch für die Metallschlaufe geschnitten wurde. So befanden sie sich wieder auf einer Ebene (siehe Abb. 1).
Abb. 1: Der Drehteller-Aufbau mit der Lampe aus der untersten Position (20°)

Kameraeinstellungen:

  • Modus: manuell
  • Datenformat: jpeg, Auflösung: 3456 x 5184 Pixel / 1.6 MB
  • Belichtung: ISO 100; Brennweite 50, Blendenzahl F18, Verschlusszeit 4-13 s (siehe Anmerkung)
  • Fokussierung: Autofokus
  • Fernauslöser: Ja, Steuerung via PC/Software, hier: Canon Utility

Vorgehen bei der Bildgewinnung: Angestrebte Anzahl der verwendeten Aufnahmen/Lichtpositionen: 60 aus 5 Winkeln/Lichtpositionen am RTI-Arm (20 – 30 – 40 – 50 – 60°). In 30°-Schritten (versetzt startend bei 0° bzw. 15°) entsprechend der Markierungen am Drehteller wurde ein Set von 60 Fotos erstellt.

Anmerkung: Auf Anraten von Herrn Sebastian Gassner wurde mit jeder Höhenverstellung des Lampenarms nach unten die Belichtungszeit verlängert, um die Veränderung der Helligkeit auszugleichen. Beim spitzesten Winkel (20°) betrug sie 13 s, bei den nächsten in zwei-Sekunden-Schritten von 10 s bis 6 s und beim höchsten Winkel (60°) 4 Sekunden.

C) Modellerstellung

Verwendete Software, Version: RTIBuilder, v2.0.2
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 60
Nachbearbeitung der Bilder: keine
Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: keine

Abb. 2: Screenshot im RTI-Viewer, Modus: Specular Enhancement.

Abb. 3: Screenshot im RTI-Viewer, Modus: Normals Visualization.

Photogrammetrie – Aufnahme und Dokumentation Terrakotta-Büste aus Schloss Neuburg am Inn, Kat. Nr. 255

A) Objekt, Kurzbeschreibung und Kontext

Büste von Unbekannt
Material:  Terrakotta
Maße: ca. 60 cm (Gesamthöhe) x 35 cm (Schulterbreite)
Datierung: 17. Jh.

Die Büste weist einige Schäden an der Oberfläche auf. Vom rechten Auge abwärts zieht sich ein Riss die gesamte Nasenlänge bis zum Nasenflügel hinunter. Zwischen den Augenbrauen und am Kinn ist je ein größeres an der Nasenspitze ein kleineres Stück Ton abgesprungen. Auch am Lorbeerkranz sind ein paar Blätter abgebrochen. Über die gesamte Figur verteilt finden sich noch weitere kleinere Risse und Sprünge.

Über den Kontext der Figur ist nur wenig bekannt. Groeschel (vgl. 1924: 104) verzeichnet die Büste in der 20. Ausgabe der Monatsschrift des bayerischen Landesvereins für Heimatschutz. Darin datiert er sie auf das 17. Jahrhundert und bezeichnet sie zudem als eine „Phantasiebüste“. Sie würde damit keine reale historische Persönlichkeit darstellen. Passend zur Datierung der Büste scheint sie in der Tradition der Antikenrezeption der Renaissance zu stehen. Die Spätphase dieser Epoche reichte bis in die ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts hinein (vgl. Landfester 2014: XI). Die epochentypischen Stilelemente können aber natürlich noch länger nachgewirkt haben, zumal die Kunst der Antike auch in der Folgeepoche, dem Barock, weiterhin als Vorbild diente (vgl. Duchhardt, Schnettger 2015: 55). Ein derartiger Rückgriff auf die Antike zeigt sich bei der vorliegenden Büste z. B. im deutlich erkennbaren Lorbeerkranz. Dieser war bereits in der griechischen und römischen Mythologie ein Symbol für den Sieg und Attribut z. B. des höchsten Gottes Jupiter. Aufgrund dieser hohen Bedeutung wurden damit u. a. Dichter, Sportler und Feldherren für ihre herausragenden Leistungen geehrt. Dies spiegelte sich auch in den Darstellungen bekannter Persönlichkeiten auf antiken Münzen und eben auch Büsten wider. In der Renaissance wurde der Lorbeerkranz auch noch in ähnlicher Bedeutung als Anerkennung höchster geistiger Leistungen verwendet. Die Abgebildeten wurden damit — in Anlehnung an die Antike —ikonographisch als „poetae laureati“, als gekrönte Dichter, gekennzeichnet (vgl. Landfester 2014: 20 und 212).

Im 17. Jahrhundert war das Schloss Neuburg zunächst im Besitz der Grafen von Salm. Diese verarmten allerdings während des 30-jährigen Krieges und verkauften die Burg 1654 an Georg Ludwig von Sinzendorf. Nachdem dieser wegen Hochverrats angeklagt wurde, übernahm die Burg Kaiser Leopold I., der sie 1698 an den Schotten Jakob von Hamilton weitergab (vgl. Mitterwieser 1924: 145). Unter welchem dieser Burgherren die Büste gefertigt wurde und ob sie vielleicht sogar einen davon darstellt, ist nicht bekannt.

B) Aufnahme

Ort, Zeit, Personal:
Die zur Erstellung des 3D-Models nötigen Aufnahmen wurden im Rahmen des Kurses „Kulturgut in 3D“ am 26.01.2018 im Ausstellungsraum des Schlosses Neuburg angefertigt. Dabei waren 6 Teilnehmer und 2 Dozenten anwesend.

Aufnahmesituation:
Der Ausstellungsraum wird durch Deckenlampen beleuchtet.

Kamera: Canon EOS 100D, Objektiv: Sigma Zoomobjektiv 18-50 mm, verwendete Brennweite 32-33 mm (siehe Anmerkung)

Kameraeinstellungen:
ISO 100, Blendenzahl F29, Belichtungszeit 1/2 s
Kameramodus: manuell
Datenformat: jpeg
Auflösung: 72 dpi / 5184×3456 Pixel
Fokussierung: Autofokus

Aufbau:
Die Büste wurde auf einen weißen, etwa 60 cm hohen Quader gestellt. Eine Softbox-Studioleuchte oberhalb und zwei LED-Panels rechts und links des Objekts sorgten für die nötige Ausleuchtung (siehe Abb. 1). Die Kamera wurde auf einem Stativ befestigt, das für die unterschiedlichen Aufnahmepositionen jeweils manuell verstellt wurde.

Vorgehen bei der Bildgewinnung:
Es wurde nach dem für Photogrammetrie-Aufnahmen üblichen Schema vorgegangen.

Verteilt auf fünf Höhenstufen wurden je zwischen 16 und 19 Fotos in einer Kreisbewegung um das Objekt herum geschossen. Auf den fünf Höhenebenen wurden insgesamt 93 Fotos angefertigt, von denen drei gelöscht wurden, weil das Stativ und die Kamera einen deutlichen Schatten auf das Objekt warfen. Zusätzlich wurden 23 Detailaufnahmen vom Kopf und den Schulterpartien angefertigt, von denen 20 verwendet wurden. Für die Modellerstellung sind demnach 110 brauchbare Bilder entstanden.

Abb. 1: Beleuchtungsaufbau

Abb. 2: Frontale Aufnahme aus der zweitniedrigsten Höhenstufe.

Anmerkung: Beginnend mit der ersten Aufnahme auf der fünften Höhenstufe wurde die Brennweite ausversehen von 32 mm auf 33 mm verstellt. Vermutlich kam dies zustande, weil die Kamera leicht nach unten geneigt werden musste, um die Oberseite des Kopfes zu fotografieren. Es hätte besser ein Objektiv mit Festbrennweite verwendet werden sollen, so wie nach mir Sebastian Belt bei seiner Büste.

C) Modellerstellung
Verwendete Software, Version: Agisoft, v1.3.2.
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 110 (von 116)
Nachbearbeitung der Bilder: 6 unscharfe Bilder oder Bilder mit deutlich erkennbarem Schattenwurf wurden vor der Modellerstellung gelöscht.
Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: keine

Das Modell wurde am Rechner des Lehrstuhls für Digital Humanities im dortigen „Digital Cultures Lab“ berechnet. Nach der Fertigstellung der Point Cloud (Abb. 3) fiel auf, dass darin die Unterseiten der Schultern jeweils ein recht großes Loch aufwiesen. Zunächst habe ich befürchtet, dass ich diesen Teil der Büste nicht ausreichend abgedeckt habe, da ich ihn nur frontal und schräg von oben nicht aber von unten fotografiert habe. Unterhalb der Schulter befindet nämlich ein stark schattierter Bereich, für den eigentlich genauere Detailfotos nötig gewesen werden. In der darauf aufbauenden Dense Cloud (Abb. 4) waren diese Löcher allerdings bereits größtenteils – bis auf kleinere Lücken an den Rändern – geschlossen. Im endgültigen texturierten Modell (Abb. 5) waren sie komplett verschwunden.

Abb. 3: Schulter, Point Cloud

Abb. 4: Schulter, Dense Cloud

Abb. 5: Schulter, texturiertes Modell

 

Literatur

Duchhardt, Heinz / Schnettger, Matthias (2015): Barock und Aufklärung. Bd. v.11. 5. Aufl. Berlin/Boston: De Gruyter.

Groeschel, Julius M. (1924): Verzeichnis der Sammlung bau- und kunstgeschichtlicher Funde auf Schloß Neuburg am Inn. In: Monatsschrift des bayerischen Landesvereins für Heimatschutz 20, 92–111.

Landfester, Manfred (2014): Renaissance-Humanismus. Lexikon zur Antikerezeption. Stuttgart: J.B. Metzler.

Mitterwieser, Alois (1924): Die Herren der Grafschaft Neuburg am Inn. In: Monatsschrift des bayerischen Landesvereins für Heimatschutz 20, 145–146.

 

Photogrammetrie, Aufnahme und Dokumentation Terrakotta-Büste, Kat. Nr. 254 , Fundort Schloss Neuburg a. Inn

 Ort, Zeit, Beteiligte: Schloss Neuburg am Inn, 26.1.2018, Teilnehmer des Kurses ‚Kulturgut in 3D‘

Objekt: Das Objekt befindet sich im Schloss Neuburg am Inn, dessen Geschichte auf das 12. Jahrhundert zurückgeht. Die heutige Burgarchitektur geht auf den Bauherren Graf Niklas von Salm zurück, der den Neubau ab 1529 beauftragte. Die Burg teilt sich in Hauptburg und Vorburg (S. Bilder) auf. Im Besitz des Grafen von Salm blieb die Burg bis 1654. Danach erhielt die Burg von Graf Sitzendorf eine moderate barocke Gestaltung. Der kaiserliche Kämmerer Hamilton ließ 1698 den Südflügel zu einem Galerietrakt ausbauen. Ab 1720 war Schloss Neuburg im Besitz der Fürstbischöfe bis die Säkularisation 1803 einsetzte, was eine Versteiugerung bzw. Ausverkauf der Burg und dessen Inventars mit sich brachte. Die Burg selbst ist mit aufwändigen Arbeiten verziert, hier zu nennen der Rotmarmorsaal und die vielen Terrakottaausschmückungen.

Zur Büste selbst ist wenig bekannt. Sie zeigt eine Fantasiefigur aus Ton gebrannt und stammt aus dem 17. Jahrundert. Die Höhe beträgt ca. 48cm, die Breite ca. 30cm (Schultern).

Lichtverhältnisse

Der große Austellungsraum im Schloss Neuburg wird mit herkömmlichen Deckenlampen beleuchtet, zur Verstärkung wurden zwei LED-Lampen sowie eine Schirmlampe eingesetzt. Die zwei LED-Lampen wurden jeweils links und rechts in ca 40cm Entfernung des Objekts aufgestellt. Die Schirmlampe hat das Objekt von oben beleuchtet. Die LED-Lampen waren konstant eingeschaltet und haben somit eine verlässliche Lichtquelle dargestellt.

Aufbau/Ablauf

Die Büste wurde auf einen Quader von ca. 40cm Höhe gestellt und von besagten Lampen beleuchtet. Die Fotos wurden mit der Kammer mit Stativaufbau auf fünf Ebenen im 360° Kreis erstellt. Ingesamt ca 110 Bilder. Zusätlich wurden mehrere detaillierte Bilder von der Schulter sowie der Blumenkrone erstellt, um eine präzises 3-D Modell generieren zu können. Auch hier gilt je mehr Aufnahmen, desto detaillegetreuer das Endergebnis

Kameraeinstellungen

Kamera: Canon EOS100D, 50mm Festbrennweitenobjektiv

Kameramodus: Autofokus

Dateiformat:JPEG

Belichtung: 100 ISO, Blende 22, Belichtungszeit 0,6

Modellberechnung

Screenshot von der Modellerstellung in Agisoft Photoscan

Die Aufnahmen (JPEG) wurden ohne vorherige Bearbeitung in die Software geladen. Verwendet wurde Agisoft Photoscan Professional (64) Version 1.3.2. Auch nach dem Hochladen udn Erstellen des Modells in den vorgegebenen Arbeitsschritten wurden die Aufnahmen nicht nachbearbeitet. Einzig wurde das Modell von den überflüssigen Punkten in der Punktwolke bereinigt.

Im Bannkreis des Objekts. Aufnahmen für Photogrammetrie-3D-Modell des Wappenhalters vom Passauer Rathaus im Oberhausmuseum Passau

Grundriss des Passauer Rathauses 1. OG. Pfeil: Verortung Portal. Quelle: Kunstdenkmäler Passau / Bd. 4.3, 1919, S. 452 / Fig. 367 (Online-Digitalisat MDZ )

Objektkontext:
Um dem Kontext des Wappenhalters auf die Spur zu kommen, begeben wir uns zum Ort, an dem das sich heute im Eingangsbereich des Oberhausmuseums befindliche Original unsrprünglich angebracht war: an der Westseite des Gebäudekomplexes des Alten Rathauses über dem Portal zur Schrottgasse. Diese wiederum ist entgegen dem Namen bereits an sich eine Passauer Sehenswürdigkeit, außer dem Rathaus zeugen repräsentaive, vielstöckige Patrizierhäuser wie das heutige Hotel zum Wilden Mann gegenüber, dass man sich hier einst wie jetzt auf prestigeträchtigem Boden bzw. teurem Pflaster befindet.

Das Rathaus vom Ludwigsteig aus. Markierung: Portal.
Quelle: https://regiowiki.pnp.de  , Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 ,Aufnahme: Stefan Daller

Auch wenn es  die Lage des Portals zumindest dem heutigen Passanten im ersten Moment  nicht vermittelt, spätestens  beim Betreten des dahinterliegenden 1446 vollendeten prachtvollen Stiegenhaus wird die Bedeutung als Hauptzugang offenbar:

Blick ins Treppenhaus des Alten Rathauses. Quelle: regiowiki.pnp.de, Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 , Aufnahme: Stefan Daller

Die Verlegung des Hauptzugangs weg von der Schauseite am Fischmarkt geschah als Teil der Umbaumaßnahmen des 15. Jahrhunderts, wohl aus Hochwasserschutzgründen.[1] In der Komplexität des sieben mittelalterliche Stadthäuser in sich aufnehmenden Ensembles mit mehreren Innenhöfen spiegelt sich die Baugeschichte:

Das Rathaus ist kein einheitlicher Bau, sondern eine Gruppe von Bauten, die im Laufe der Zeit, den wachsenden Bedürfnissen der Stadtverwaltung entsprechend, dem Kernbau angeliedert wurden […]. Um 1339 begonnen steht er an Stelle eines alten Patrizierhauses, das die Stadt schon 1298 von Christian Heller erkauft hatte. Aber erst 1393 wurde der Besitz ein definitiver, und zwar kaufte man dem damaligen Besitzer Ulrich Gebelsdorfer seine zwei Häuser, gelegen am Fischmarkt an der Ecke zur Schrottgasse, ab. An Stelle des einen Hauses, am Fischmarkt, wurde ein Neubau errichtet, der den üblichen Saal enthielt. Die Vollendung wird auf 1405 angegeben. Der mächtige Streitturm, an der Ecke zwischen beiden Häusern gelegen, diente von da ab als Rathausturm. 1408 kaufte man ein weiteres Haus dazu.
Die letzte Erweiterung erfolgte zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Das ehemalige fürstbischöfliche Dikasterialgebäude, an der Südseite des Komplexes gelegen, wurde zum Rathaus gezogen.“
(Aus der Beschreibung des Passauer Rathauses im Kunstdenkmäler-Band 4.3 von 1919. Die Reihe ist nach wie vor eines der fundiertesten Nachschlagewerk, dem jüngere Versionen oftmals nicht gleichkommen. Digitalisate dieses und weiterer Bände )

Beim Brand 1662 wurde der Großteil des Gebäudes inklusive dem ersten Saal zerstört, 1811 wegen angeblicher Baufälligkeit der alte Turm abgebrochen. Der alte, 1393 „Streitturm“ genannte wehrhafte Rathausturm „hatte einst den Hallern“ [Schmid S. 73] und zu einer ursprünglich größeren Zahl patrizischer Stadttürmen gehört, ähnlich der in Regensburg überlieferten Situation. Der heutige stammt aus der Zeit 1888-93, in der auch der Rest des heutigen Gebäudes mit dem kleinen und großen  Rathaussaal errichtet wurde.

In Kontext mit dem Portal bzw. dem Wappenhalter sind auch die Erwähnungen der Malereien des späten 15. Jarhunderts zu sehen, die vermutlich auf die gleiche Ausbauphase zurückgehen. Die Stadtchronik erwähnt 1471 einen Meister Rupprecht, was sowohl auf den Innenraum (früherer Saal) als auch auf die ursprünglichen Fresken am Außenbau bezogen werden kann. Diese wurden 1446 von Ruprecht Fuetrer begonnen und bis 1484 von Rueland Frueauf d. Ä. vollendet, in diese Zeit dürfte auch die Fertigung des Wappenhalters fallen. Als Anbringungsdatum des Wappenhalters wird erst 1510 genannt.

Der Wappenhalter ist als Teil der Portaleinfassung zu sehen, die einen Rahmen von mehrfach gestäbtem Gewände zur Basis hat. Das Stabwerk überkreuzt sich in den Ecken mit Ausbildung von in den Durchgang ragenden Schultern. Links unten eine heute kaum mehr als solche erkennbare Löwenfigur, die am Gewände hochsteigt, rechts unten eine weitere Figur die schon 1919 nicht mehr zu definieren war. Oben links eine ebenfalls stark verwitterte Tierfigur (Drache?) oben rechts ein schildhaltender Adler (ohne erkennbare Zeichung auf dem Schild, vermutlich ehemals bemalt). Oberhalb der beiden oberen Eckfiguren sind polygonale Konsolen zu sehen, die offenbar ehemals zwei weitere Figuren trugen. Mittig über dem Portalsturtz befindet sich der Wappenhalter als Aufsatz, bzw. heute dessen Replik. In dessen Zentrum steht die wappenhaltende Frauenfigur. Als Passavia oder auch die ‚schöne Passauerin’ bekannt, gilt sie heute als das Symbol für die Stadt schlechthin, von der hohen Symbolkraft zeugt etwa auch, dass die Passavia aus dem Wappenhalter die Bürgermedaille der Stadt ziert.

Quelle: regiowiki.pnp.de , Author: Stefan Daller

Flankiert wird die Passavia mit dem Wappenschild auf dem der Passauer Wolf prangt von zwei kleineren männlichen Figuren, alle jeweils im Schutz eines gratgewölbten Baldachins, oberhalb umläuft eine Schlusszone mit Astwerkformen die Plastik. „Ein Meister und sein Geselle“ heißt es zu den beiden Herren vage in den Kunstdenkmälern, treffender scheint die Deutung als Personifikationen von Handwerk und Patriziertum der Stadt. Eingrenzen ließe sich die Deutung sicher durch eingehendere Beschäftigung etwa mit Gewandung und Kopfbedeckung der beiden, doch das sei hier nur am Rande erwähnt. Viel gewichtiger, gar zentral, ist die Überlegung zur Urheberschaft des Stückes, denn „die Frage nach dem Meister, der das Portal geschaffen hat, ist [bis heute] ungelöst. Auf die Möglichkeit, dass es Jörg Huber angehören könnte, der 1464 bei Veit Stoß in Krakau tätig war, hat Schmid hingewiesen.“

Signatur Jörg Hubers im Kapitellbereich des Baldachins des Kasimirgrabmals. aus: Skubiszewska, Maria: Program ikonograficzny nagrobka Kazimierza Jagiellończyka w katedrze wawelskiej, in: SZABLOWSKI, Jerzy (Hg.): Studia do Dziejów Wawelu, Bd. 4, Krakau 1978, S. 117-214 Digitalisat

Die Passage auf die hier Bezug genommen wird lautet:
Ob der 1494 bei Veit Stoß in Krakau tätige Jörg Huber in seine Vaterstadt Passau zurückgekehrt ist, lässt sich urkundlich nicht belegen […] Wenn es der Fall ist, so ist eine um 1510 entstandene Arbeit von seiner Hand das neuere Rathausportal, die Kopftypen, der weiche Schwung der Gewandfalten und die Bewegung in dem (leider halbzerstörten) Löwen gehen mit den Kapitellen des Jagello – Denkmals aufs engste zusammen.“

Dieser Beobachtung kann nur beigepflichtet werden.

Kapitelle am Grabmal Kasimir IV. Jagiello in Krakau, Jörg Huber zugeschrieben. aus: Markowski, Stanislaw: Die Kathedrale auf dem Wawel, Krakau 1993, S. 80.

linke Seitenfigur des Wappenhalters im Modell

Rest des Löwen(?) an der linken Seite des Portalgewändes heute

zu Jörg Huber siehe u.a Labuda, Adam: Die künstlerischen Beziehungen Polens zum deutschen Reich im späten Mittelalter. Krakau und Süddeutschland [2] : „Kehren wir aber nach Krakau zurück. Nach Stoß ist hier aus Passau der Maler und Bildhauer Jörg Huber eingewandert, der die Skulpturen am Baldachin des Grabmals von Kasimir IV. und, höchstwahrscheinlich, das Grabmal des Königs Johann Albrecht ausführte. Huber hilet sich in Krakau mindestens 15 Jahre auf und war Mitglied der Malerzunft.“ NB: die Tatsche, dass Jörg Huber in Krakau der Malerzunft angehörte, gibt der These Aufwind, dass er ein Bruder des bekannteren Malers Wolf Huber sei, wie es etwa Bierende[3] schreibt.

Die Überschneidungen in den Datierungen – 1484 Vollendung der Malerarbeiten am Rathaus als Indiz für den Abschluss des Ausbauprojekts, 1494/ 96 Jörg Huber mit Veit Stoß in Krakau tätig, ab hier für 15 Jahre in Krakau nachweisbar, 1510 Anbringung des Portals – muss einer Fertigung des Wappenhalters durch Jörg Huber nicht widersprechen. Dass Künstler dieser Zeit ein hohes Maß an Mobilität an den Tag legten, belegen zahllose Beispiele, ihr Wirken lässt sich entsprechend kaum auf jeweils einen einizgen Ort begrenzen. Eine Passauer Werkstatt für Jörg Huber ist anzunehmen, mindestens für die Zeit vor Krakau; gut möglich, dass diese auch weiterhin Bestand hatte.

Das Kasimirgrabmal in Krakau wiederum ist das Werk Veit Stoß‘ in dem der Einfluss Nicolaus Gerhaert van Leyden durch Übernahme von Motiv und Figurenstil besonders augenällig wird:

S/W – Abbildung der Grabplatte des Grabmals Friedrich III., Quelle , div. gute Abb. derselben hier .

Grabmal Friedrich III. heute, Stephansdom Wien. Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Author: Bwag

Abguss der Deckplatte des Kasimirgarbmals, aus: MROZOWSKI, Przemysław: Polskie nagrobki gotyckie [Polnische gotische Grabmäler], Warschau 1994

Deckplatte des Kasimirgrabmals in Situ. Quelle

Das Grabmal Kasimir IV. in der Heiligkreuzkapelle der Wawel – Kathedrale. aus: Markowski, Stanisław: Die Kathedrale auf dem Wawel, Krakau 1993, S. 79

Es ist also festzuhalten: wo Veit Stoß genannt wird, ist der Weg zu Gerhaert nicht weit – dies gilt auch für den Wappenhalter, denn siehe da, stellt man das ‚Bärbele’ von Ottenheim , auch hier , der Passavia gegenüber, ist die Ähnlichkeit doch nicht zu leugnen:

Quelle: Wikimedia Commons, Author: Soutekh67

Die Passavia im 3D-Modell-Ausschnitt

Insgesamt ein Grund mehr, dem Wirken Jörg Hubers, auch stellvertretend für die Rolle Passaus als Vermittlungsort von Arbeit, Wissen, Geld, Kunst und was sonst noch dazugehört, weiter auf den Grund zugehen. Dabei sollte der Fokus nicht nur auf der Zeit um 1500 liegen, sondern im Sinne der Drehscheiben- und damit Wegbereiterfunktion auch das gesamte vorhergehende Jahrhundert mit einbezogen werden.

Doch nun zurück zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags: dem 3D-Modell. Für sich alleine betrachtet und unabhängig vom in diesem Fall ausnehmend interessanten Objektkontext ist die naheliegende Frage, die generell an (3D-) Modelle wie an alle Arten von Digitalisaten/ierungen gestellt werden muss: „Und was bringt das?“

Nun, im vorliegenden Fall lässt sich anhand des Modells der Wappenhalter etwa aus der Luftrattenperspektive betrachten. Ein Blick in Dekolleté der Passavia, der Normalsterblichen ansonsten verwehrt bleibt – noch nie dagewesene Aussichten!

Einzig die Befliegung mit einer Drohne würde diese ansonsten noch ermöglichen, wären alle abstürzenden Brieftauben vollends im Park vergiftet. Spaß beiseite – eine weitere Zusatzoption, die sich aus der Digitalisierung als 3D-Modell ergibt, ist die Möglichkeit eines 3D-Drucks, auch in unterschiedlichen Größenabstufungen. Eingedenk des geschilderten hohen Symbolwerts der Passavia gar keine so abwegige Idee, vielleicht sind also zukünftig kleine Wappenhalter an der Kasse des Oberhausmuseums als Mitbringsel zu erwerben…

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Lichtverhältnisse:
Tageslicht durch die zwei Fenster zum Treppenhaus des Oberhausmuseums bei bedecktem Himmel, schwaches Dauerlicht durch wandfeste Lampen im Innenraum. Für die Aufnahmen wurden drei Wallimex-Stativblitze mit Schirmdiffusor aufgebaut. Zwei der Blitzlampen mit 620 Wattsekunden pro Stück befanden sich rechts und links etwa auf mittiger Höhe des Objekts mit jeweils etwa1,5 m Abstand. Die dritte Blitzlampe wurde mittig vor dem Wappenhalter etwas höher montiert. Die Blitzlampen mit Master-Slave-Funktion wurden durch Funkauslöser betätigt. Weiteres Hilfsmittel: Klappleiter. (vgl. Making-of – Foto)

Aufbau / Ablauf:
die Fotos wurden frei Hand ohne Stativ verteilt auf 5 Ebenen  um im Halbkreis um das Objekt geschossen von links nach rechts. Anstelle einer Skizze zum Aufnahmeschema hier ein Screenshot der in der Software angezeigten , insgesamt 1194 (!) Kamerapositionen / ausgelöster Blitz.

Ein Lob an dieser Stelle an die beteiligten Kursteilnehmer/innen, die jeweils die Aufnahmen einer Ebene übernommen haben – die erfolgreiche Modellerstellung bezeugt: Teamwork  hat funktioniert! 😉

außer den Aufnahmen nach dem o. g. Ebenenschema wurden zusätzlich mit größerem Abstand aus verschiedenen Höhen Gesamtaufnahmen des Objekts gemacht, um die korrekte Modellerstellung sicherzustellen. Auch von überlappenden / verwinkelten Bereichen wurden zusätzliche Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven gemacht, um deren Plastizität im Modell bestmöglich wiedergeben zu können. Insgesamt ist festzuhalten: je mehr Aufnahmen / Kamerapositionen, desto genauer / detailgetreuer das Modell.

Kameraeinstellungen:
Kameramodus: manuell
Datenformat: RAW und JPEG (gleichzeitig während der Aufnahmen gespeichert, durch ausreichend hohe Bildqualität für schnelleres Errechnen des Modells jedoch nur die JPEGs verwendet)
Belichtung: ISO 100, Blende: F /16, Verschlusszeit 1/ 125 , Brennweite: 36 mm
Weißabgleich: automatisch
Fokussierung: Autofokus, kein Fernauslöser

Modellberechnung
Die Aufnahmen (JPEGs) wurden ohne vorherige Bearbeitung in die Software geladen. Verwendet wurde Agisoft PhotoScan Professional (64 bit) Version 1.3.2 .Auch nach dem Hochladen und Erstellen des Modells in den vorgegebenen Arbeitsschritten wurden die Aufnahmen nicht nachbearbeitet. Einzig wurde das Modell von überflüssigen Punkten in der Punktwolke bereinigt (Hintergrund und nicht zum  Objekt gehörige Punkte). Die Kamerapositionen wurden nicht in mehrere Arbeitsbereiche („Chunks“) aufgeteilt.

Rechnerkonfiguration: Intel Core2 Quad CPU / 4x 2.8GHz, Arbeitsspeicher: 8,00 GB, Windows 7 Pro/64Bit, Grafikkarte: NVIDIA GeForce GTX 750Ti mit 2048MB Speicher

Die Software gibt über das Menu die einzelnen Arbeitsschritte vor, die dann der Reihe nach auszuführen sind.

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Die Verfasserin möchte noch ein Lob für die Bewirtung während der abschließenden Bearbeitung des Beitrags im Bauturm Köln aussprechen!

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[1] https://books.google.de/books?id=IZF-DAAAQBAJ&lpg=PT56&ots=wgSJX2zukQ&dq=sch%C3%B6ne%20passauerin&hl=de&pg=PT68#v=onepage&q&f=false

[2] https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/vuf/article/viewFile/17716/11529 , S. 14

[3] Die wechselseitigen Kontakte zwischen Bildhauern und Malern wurden an einzelnen Fällen untersucht, wie etwa bei Hans Leinberger und Albrecht Altdorfer, bei Hans Leinberger und Lucas Cranach , bei Meister I. P. und Wolf Huber oder Albrecht Altdorfer, bei den Brüdern Wolf und Jörg Huber, die sowohl als Maler als auch als Bildhauer arbeiteten, oder bei Meister HL und Peter Dell d.Ä. Bierende, Edgar: Lucas Cranach d.Ä. und der deutsche Humanismus.
Tafelmalerei im Kontext von Rhetorik, Chroniken und Fürstenspiegeln, München 2002, S. 111.