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RTI-Aufnahme und Dokumentation Pferdegeschirranhänger Nr.74 + Vergleich

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Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Vergleich der beiden Pferdegeschirranhänger, die durch die Viewer zu erkennen sind. Dieser Vergleich ist dem Fakt geschuldet, dass die beiden Objekte am selben Standort gefunden wurden.

Zunächst erfolgt eine technische Dokumentation der RTI-Aufnahme des Pferdegeschirranhängers Nr. 74, dann ziehen wir einen Vergleich aus den beiden Objekten, bevor der Beitrag dann mit allgemeinen Informationen zum Thema Pferdegeschirranhänger endet.

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A) Objekt / Gegenstand: Pferdegeschirranhänger Nr.74

Kurzbeschreibung:
Der Beitrag zeigt RTI-Aufnahmen eines Pferdegeschirranhängers aus Hofkirchen. Der Anhänger hat eine matte Oberfläche, ist rund und wird von einer Figur durchbrochen, die höchstwahrscheinlich einen Greif darstellt und sich selbst eindreht.

Historischer Kontext, Literaturangaben:
Stefan Krabath, Die hoch – und spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Leidorf 2001.

Walcher Claudia, Berichte zur Mittelalterarchäologie in Österreich, Wien 2000.

B) Aufnahme / Bildgewinnung
Ort, Zeit, Personal: DH- Labor Passau, 25.07.2018, Sandra Holler, Julia Vollbrecht

Kamera: Canon EOS 100D

Objektiv: 55mm Zoomobjektiv

Aufnahmesituation: räumliches Umfeld, Lichtverhältnisse
abgedunkeltes Labor, Reprostativ mit Drehteller, inklusive LED-Lampe als Leuchtmittel
2 RTI-Referenz-Kugeln, 5mm

Kameraeinstellungen:
Kameramodus: automatisch
Datenformat: JPEG
Auflösung: 72 dpi / 5184 x 3456 Pixel

Belichtung: ISO 100
Brennweite: 55mm
Blendenzahl: F11
Verschlusszeit: 3,2s

Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: automatisch
Fokussierung: Autofokus
Fernauslöser: Ja + Steuerung via PC / Software, hier Canon Utility
Vorgehen bei der Bildgewinnung: 5 Winkel mit jeweils 12 Speichen am Drehteller

C) Modellerstellung
Verwendete Software, Version: RTI Builder
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 120 pro Seite


 

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Beschreibung und Vergleich:

Die RTI – Aufnahme dieses ringförmigen Pferdegeschirranhängers aus Hilgartsberg zeigt ebenfalls einen Greif, der sich selbst eindreht und seinen eigenen Schwanz im Mund hat. Ein Greif ist ein Mischwesen, das in den meisten Fällen mit einem löwenartigen Körper, dem Kopf eines Raubvogels, Schnabel, spitzen Ohren und Flügeln dargestellt wird. Die bildliche Darstellung von Greifen war vor allem im Donauraum und Österreich verbreitet und diente dem Schutz des Trägers, da durch sie das Böse gebannt wurde.

Die beiden Pferdegeschirranhänger unterscheiden sich in ihrer Grundform. Während der obere eher rund ist und durch die figürliche Darstellung des Mischwesens unterbrochen wird (siehe Nr.1) , ist der untere eher ringförmig (siehe Nr.7).

Krabath, S.235

 

Beim oberen Anhänger ist auch noch das zweilappige Scharnier vorhanden, das für die Befestigung an einem Riemen  notwendig war; beim unteren kann man nur noch die Öse erkennen.

Aufgrund der Form kann man davon ausgehen, dass sie zeitlich zwischen dem 12. und dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts einzuordnen sind.

Trotzdessen ist die Tatsache interessant, dass die beiden Anhänger im gleichen Gebiet geborgen wurden. Man kann leider keine genauen Aussagen treffen, ob diese am gleichen Pferd befestigt waren, aber das gleiche Motiv, wenn auch in anderer Darstellung, zeigt wohl, wie wichtig es den Trägern war, sich vor dem Bösen zu schützen.

Pferdegeschirranhänger:

Definition: „Pferdegeschirranhänger sind Schmuckscheiben/Zierscheiben, die mittels einer Aufhängevorrichtung frei beweglich an unterschiedlichen Stellen des Zaumzeugs eines Pferdes befestigt waren; mitunter werden sie mit den Zaumbeschlägen hochmittelalterlicher Kandaren in Verbindung gebracht bzw. von ihnen unterschieden.“ (Walcher, 2000) Zum Teil können auch Hunde als Träger in Betracht gezogen werden. Bei kleinformatigen Anhängern ist es auch möglich, dass sie statt am Zaumzeug an der Tracht befestigt wurden.

Zeitliche Einordnung: Vermutlich gab es Pferdegeschirranhängern seit der Domestizierung des Pferdes, verschiedene Quellen bezeugen ihr Vorkommen vom 10. bis zum 15. Jahrhundert. Der Höhepunkt dürfte im 12. Jahrhundert gewesen sein.

Räumliche Eingrenzung: Funde deuten darauf hin, dass Pferdegeschirranhänger vor allem im Gebiet von Frankreich bis nach Mitteleuropa verbreitet waren.

Funktion: Diese Art von Anhängern diente vor allem dem Zweck, die Pferde zu schmücken, und damit seinen gehobenen sozialen Stand zu zeigen. Dies wird dadurch bestätigt, dass die Anhänger vor allem in Zentren geistlicher und weltlicher Macht gefunden wurden. Dadurch, dass Metall als Rohstoff mit hohen personalen und technischem Aufwand verbunden war, waren die Anhänger sehr teuer und rar.

Aussehen: Grundsätzlich hängt der Anhänger frei an einer Scharnierachse, die in der Regel im rechten Winkel zur Schauseite orientiert wurde; bei einigen getriebenen Stücken wurde ein Fortsatz des Anhängers auch zur Öse nach hinten umgelegt. In der Regel greift die senkrecht zur Schauseite stehende Öse der Anhänger in ein zweilappiges Scharnier mit unterschiedlich gestaltetem Beschlag zur Befestigung an einem Riemen Oftmals wurden Vögel, Löwen, Panther und Mischwesen als Motive verwendet; Vorbild waren wahrscheinlich Figuren auf romanischen Kapitellen.

Herstellungsweise: Die auf unterschiedlichster Weise gestalteten Pferdegeschirranhänger bestehen in fast allen Fällen aus Edel- oder Buntmetall. Teilweise wurden ihre Oberflächen vergoldet. Sie wurden gegossen oder ausgeschnitten, durch einen Stichel und/oder eine Punze konnte man die Details bearbeiten.

 

RTI: Zierbeschlag eines Gürtels

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A. Objektbeschreibung und Kontextualisierung

Zierbeschalg
Das Objekt: Ein Zierbeschlag aus der Burgruine Hilgartsberg.

Das Objekt (Fundatalog-Nr. 47f) mit den Maßen 5 x 0,8 cm besteht aus Buntmetall. Die Oberfläche glänzt metallisch, weißt jedoch auch Alterungserscheinungen wie matte Verfärbungen auf. Es wurde während den Ausgrabungen der Kreisarchäologie Passau von 2005-2008 auf der Burgruine Hilgartsberg gefunden.

Es handelt sich hierbei um einen langen, rechteckigen Beschlag eines mittelalterlichen Gürtels. Diese Form zählt zu den häufigsten Beschlagsformen[1] und wurde meist für Verzierungen genutzt, z. B. in Form von Wappendarstellungen, Gravierungen, Durchbruchmotive und Reliefdarstellungen (häufig florale und figürliche Motive wie Menschen, Pflanzen, Tiere und Fabelwesen oder ornamentale Muster).[2]

Die verzierte Schauseite des Objekts wird durch eine mittige Buckelreihe in zwei Bereiche getrennt. Auf der linken, längeren Seite sind zwei lange waagrechte und rechteckige Vertiefungen zu erkennen. Zwischen ihnen und der Buckelreihe sind zwei kreisrunde Vertiefungen zu sehen, wobei eine mit einem Durchbruch beschädigt ist. In diesen zwei Mulden waren ursprünglich vielleicht Perlen oder Schmucksteine als Zierde befestigt. Das Ende der linken Seite ist beschädigt, jedoch lassen sich noch zwei herausragende Stifte erkennen, welche möglicherweise die Beschlagslaschen waren, an denen die Gürtelschnalle befestigt war (vgl. Skizzen).

Skizze des Objekts mit ergänzter Gürtelschnalle.

 

Gürtelschnalle von ca. 1230, Abbildung aus: Ditmar-Trauth 2000, S. 47.

 

Gürtelschnalle von ca. 1240-1250, Abbildung aus: Ditmar-Trauth 2000, S. 48.

 

Vor dem linken Rand des Objekts ist noch ein Nietenloch zuerkennen, dass auf selber Höhe auch auf der gegenüberliegenden, rechten Seite zu beobachten ist. Auf der rechten Seite ist eine reliefartige, ornamentale Verzierung zu erkennen (zwei Bögen, die jeweils in hackenförmigen Verdickungen enden), die jedoch nicht näher bestimmt werden konnte (möglicherweise handelt es sich um ein Blattmotiv o. ä.). Im Zuge der Recherche wurden leider auch keine anderen, vergleichbaren Verzierungen auf Beschlägen gefunden. Die Fläche des Reliefs wird durch eine rechteckige, rahmenartige Linienzier begrenzt.

An der unteren Seite des Objekts ist der aufgebogene Rand des Beschlags zu sehen. Ursprünglich war dieser nach hinten gebogen, um die Riemenkanten zu umfassen.[3] Am rechten Rand des Objekts sind noch sechs kleine Einkerbungen zu beobachten.

Da keine Informationen über das Material des Objekts vorhanden sind, lässt sich nur durch die ornamentale Verzierung schließen, dass der Gürtel wohl eher von einer wohlhabenderen Person getragen wurde, da es laut mittelalterlichen Kleiderordnungen ärmeren Klassen verboten war, schmuckvolle Gürtel zu tragen, die ihrem niederen Stand nicht entsprochen hätten.[4] Jedoch gab es häufig auch Verstöße gegen die Kleiderordnungen durch gesellschaftliche Aufsteiger, die ihren Wohlstand ebenso präsentieren wollten, wie die oberen Schichten.[5]

Aufgrund der schmalen Gestalt des Beschlags kann der Gürtel in den Zeitraum um 1200 [6] bis etwa 1450 datiert werden, da ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts besonders breite Gürtel in die Mode kamen[7] oder aber die schmalen Gürtel eher mit renaissanceartigen Elementen verziert waren.[8] Für eine Datierung in das 14. Jahrhundert spricht auch, dass die überlangen, schmalen Gürtel damals mit einem reichen Zierbesatz ausgestattet waren, wobei das „Dekor und [die] Verklammerung der Beschläge […] eine starke Beeinflussung aus der gotischen Architektur”[9] aufweisen, wie es bei ebenfalls in Hilgartsberg gefundenen Zierbeschlägen der Fall ist (vgl. Objekt 47g mit Vierpass-Verzierungen).

Warum dieser Zierbeschlag in Hilgartsberg geblieben ist und bei Grabungen gefunden werden konnte, lässt sich nur spekulieren. Die kriegerische Auseinandersetzung (1356-1359) zwischen Herzog Albrecht von Niederbayern und dem Burgpfleger Ecker von Eck, die mit einer Belagerung und Einnahme (wahrscheinlich auch Plünderung) der Burg endete, kann jedoch nicht zur Datierung beitragen, da die Burganlage danach weiterhin in Benutzung war.[10] Wahrscheinlicher ist, dass der Zierbesatz im Alltagsgeschehen von dem Gürtel abgefallen und verloren gegangen ist oder aber dass, dieser Zierbesatz weggeschmissen wurde, da er kaputt gegangen ist und damit unbrauchbar war.

 

Der mittelalterliche Gürtel und sein Besatz

Da es sich bei dem Objekt um den Bestandteil eines mittelalterlichen Gürtels handelt, soll dieser und sein Besatz nun näher untersucht werden.

Seit jeher wurde der Gürtel dazu verwendet, den Halt der Kleidung am Körper zu unterstützen. Im Mittelalter diente er außerdem der Befestigung verschiedener Gegenstände, wie bspw. Taschen oder andere Utensilien.[11]

Gürtelgehänge einer Figur auf der Grabplatte des Mainzer Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein, um 1249, Mainzer Dom.
Bildquelle: Siebert, Guido: Der Naumburger Meister, Bd. I, Petersberg 2011, S. 619.

 

Zugleich war er jedoch ein Schmuckstück und konnte Demonstrationszwecken dienen.[12] Vor allem ab dem 14. Jahrhundert, als extrem körperbetonte Mode getragen wurde, bedurfte es der ursprünglichen „Gewandraffer”-Funktion des Gürtels nicht mehr, sodass dieser lediglich als Accessoire getragen wurde.[13]

Der mittelalterliche Gürtel bestand aus einem Riemen aus Leder oder anderem textilem Material, wobei vor allem die Ledergürtel mit Metallbeschlägen in verschiedenster Form verziert waren.[14] Über das Aussehen mittelalterlicher Gürtel geben vor allem gotische Malereien und Skulpturen ab dem 13. Jahrhundert Auskunft.[15]

Gürtel der Maria Magdalena, Ausschnitt aus: Kreuzabnahme, ca. 1430 – 1435, Rogier van der Weyden, Bildquelle: The Prado Museum.

 

Gürtel der Muttergottes, Ausschnitt aus: Maria mit dem Kind (Birnenmadonna), ca. 1510-1515, Klosterneuburg.
Bildquelle: Antje Köllermann (Hg.): Van Eyck bis Dürer (Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa), Brügge 2010.

 

Die Zierde eines Gürtels wird auch als Gürtelbesatz bezeichnet, wobei darunter all jenes fällt, das auf dem Gürtel befestigt wurde oder an ihm hängt, wie beispielsweise Edelsteine, Edelmetalle in Form von Schmuckornamenten, Ziernägel, Fransen, Quasten, Bommel oder Schellen.[16]

Schellengürtel (sog. Dusing), Ausschnitt aus: Minneallegorie mit Spielszenen, sogenannter Spieleteppich (Bildteppich), um 1400.
Bildquelle: http://objektkatalog.gnm.de/objekt/Gew668 (01.08.2018).

 

Der Gürtelbesatz war jedoch nicht nur Dekoration, sondern hatten  meist auch eine praktische Funktion: Metallbeschläge sollten die Stabilität des Riemens unterstützen, Ziernägel haben den Riemen oder die Borte mit den Zierbeschlägen verbunden, Bortenstecker (siehe Abb.) sorgten dafür, dass die Borte sich an den oberen und unteren Ecken nicht zusammenrollte und Lochschützer verhinderten das Einreißen der Löcher, durch welche der Dorn der Gürtelschnalle geführt wurde.[17]

Bortenstecker am Gürtel des Ekkehard II. von Meißen im Dom zu Naumburg, zwischen 1243-1249, sog. Naumburger Meister.
Bildquelle: Siebert, Guido: Der Naumburger Meister, Bd. II, Petersberg 2011, S. 985.

 

Da der Gürtel aus unterschiedlichen Materialien bestand, waren bei seiner Herstellung mehrere Berufsgruppen beteiligt.[18] Darunter fallen u. a. die Riemenschneider, die Bortenwirker, der Gürtler (der den Gürtel näht und beschlägt) und die Schnallenmacher.[19]

 

[1] Ditmar-Trauth, Gösta: Fibel- und Gürtelmode der Hochgotik, Wald-Michelbach 2000, S. 43.

[2] Ditmar-Trauth 2000, S. 43 und Schopphoff 2009, S. 52.

[3] Vgl. Beschreibung bei Heynowski 2017, S. 153, Objekt 3.1.

[4] Schopphoff 2009, S. 87.

[5] Schopphoff 2009, S. 84.

[6] Schopphoff 2009, S. 10.

[7] Schopphoff 2009, S. 12.

[8] Siehe z. B. Harder, Jörg: Segmentgürtel mit mehrteiliger Anhängerkombination. Ein Frauenschmuckgürtel der Renaissance, in: Historische Archäologie, Jahrgang 2010, Bd. 3, S. 1-20, siehe: http://doczz.net/doc/5741077/j%C3%B6rg-harder—historische-arch%C3%A4ologie (01.08.2018).

[9] Loschek, Ingrid: Accessoires. Symbolik und Geschichte, München 1993, S. 63.

[10] Vgl. Fingerlin, Ilse: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München, Berlin 1971 (Kunstwissenschaftliche Studien, Band XLVI), S. 18.

[11] Heynowski, Ronald: Gürtel. Erkennen, bestimmen, beschreiben, Berlin, München 2017 (Bestimmungsbuch Archäologie 5), S. 11.

[12] Heynowski 2017, S. 11. Dem Gürtel wurde außerdem eine symbolische Funktion zugesprochen. Von Männern getragen, war er stets ein Zeichen der Kraft und Unbesiegbarkeit, sodass beispielsweise der sprachliche Ausdruck „sich gürten” als „sich für den Kampf bereit machen” verstanden wird. Der Gürtel bei Frauen wurde hingegen als Symbol ihrer Tugendhaftigkeit und Keuschheit verstanden. Siehe Heynowski 2017, S. 11. Für eine ausführliche Darlegung der Gürtel-Symbolik u. a. im Bereich der Eheschließung und als Liebespfand, als militärisches Rangabzeichen und im christlichen Kontext siehe Schopphoff, Claudia: Der Gürtel. Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter, Weimar, Wien 2009 (Pictura et Poesis. Interdisziplinäre Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst, Band 27).

[13] Schopphoff, Claudia: Der Gürtel. Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter, Weimar, Wien 2009 (Pictura et Poesis. Interdisziplinäre Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst, Band 27), S. 10.

[14] Ditmar-Trauth, Gösta: Alltag und Sachkultur des Mittelalters in Bildquellen von 800 bis zum Anfang des 14. Jh., Münster 2006, S. 484.

[15] Ditmar-Trauth 2006, S. 484.

[16] Schopphoff 2009, S. 45.

[17] Heynowski 2017, S. 179 und Schopphoff 2009, S. 53.

[18] Fingerlin 1971, S. 24.

[19] Fingerlin 1971, S. 24.

B.      Digitalisierungsprozess

Die Aufnahmen wurden am 18.07.2018 in dem Digitalisierungslabor des Lehrstuhls Digital Humanities der Universität Passau gemacht. Das Labor wurde für die Aufnahmen abgedunkelt, sodass es lediglich einen leichten Einfall von Tageslicht gab.

C.     Equipment

Folgende Gegenstände wurden für die Digitalisierung des Objekts verwendet:

  • Kamera EOS 100D
  • Festbrennweitenobjektiv 100mm
  • Reprostativ (Abstand zwischen Kamera-Objekt: etwa 50cm)
  • Drehteller mit LED-Leuchte
  • 2x RTI-Kugel (5mm)
  • PC mit Software Canon Utility zur  Kamerabedienung per Fernauslöser
  • Verbindungskabel (PC-Kamera)

D.   Aufnahmen

Die Aufnahmen wurden mit folgenden Kameraeinstellungen angefertigt:

  • Modus: Fernauslöser, Autofokus
  • Weißabgleich: automatisch
  • Blende: F/14, Brennweite: 100cm
  • ISO 100, Belichtungszeit: 3,2 sek.
  • Auflösung: 3456 x 5184 Pixel
  • Speicherformat: jpeg

Für die Bildgewinnung wurde ein Reprostativ verwendet, an welchem die Kamera befestigt wurde. Das Festbrennweiten-Objektiv war hierbei auf das Objekt gerichtet, dass in der Mitte eines Drehtellers, zusammen mit zwei RTI-Kugeln, platziert war. An dem Drehteller ist ein Arm befestigt mit dessen Hilfe die vertikale Lichtposition der LED-Taschenlampe auf 5 Winkel (60°- 50°-40°-30°-20°) verstellt werden konnte. Für jeden Winkel wurde der Arm in 10° Schritten um den Drehteller bewegt, sodass das Objekt aus 12 verschiedenen, horizontalen Lichtpositionen (‚Speichen‘) fotografiert wurde. Schlussendlich ergaben sich hierbei 60 Aufnahmen des Objekts.

Aufnahmesituation: Reprostativ und Drehteller.

 

Objekt auf dem Drehteller mit zwei RTI-Kugeln.

E.            Modellerstellung

Für die Modellerstellung mit der Software „RTI-Builder” wurden die Bilder nicht nachbearbeitet.

Um das Modell zu erstellen wurde im RTI-Builder zunächst ein neues Projekt gestartet und die Fotos des Objektes (gespeichert in einem Ordner mit der Bezeichnung „jpeg-expots”) in die Software hochgeladen.

Im nächsten Arbeitsschritt wurden die beiden RTI-Kugeln jeweils mit dem Befehlen ‚add area‘ und ‚detect spheres‘ ausgewählt und im Folgenden mit ‚highlight detection‘ die Lichtpunkte auf den RTI-Kugeln bestimmt.

Der Screenshot zeigt alle Lichtpositionen der 60 Aufnahmen.

Im Anschluss wurden die Bilder mit dem Befehl ‚use crop‘ so zugeschnitten, dass nur noch das Objekt zu sehen war.

Screenshot zeigt den ausgewählten Bildbereich.

 

Bestätigt wird die Bildauswahl mit ‚execute‘, woraufhin die Software beginnt das Modell zu berechnen. Es erscheint die Nachricht ‚Fitting completet‘ und das fertige Projekt kann nun mit dem RTI-Viewer geöffnet werden.

Objekt im RTI-Builder (‚Default‘-Modus),

 

Objekt im RTI-Builder ( ‚Specular-Enhancement‘-Modus).

 

Objekt im RTI-Builder ( ‚Normals-Visualization‘-Modus).

 

Es ergab sich jedoch zunächst folgendes Problem: Anfangs erschien nach dem letzten Arbeitsschritt die Fehlermeldung ‚Improper call to JPEG library in state 2000‘ (Abb.) und das Modell konnte nicht fertiggestellt werden. Grund hierfür war vermutlich, dass die Fotos zu oft auf dem PC hin und hergeschoben wurden, denn das Problem wurde gelöst, indem dem Programm die originalen Fotodateien direkt vom USB-Stick (ursprünglicher Speicherort) zugespeist wurden. Die Software konnte das Modell danach ohne Probleme fertig stellen.

Fehlermeldung nach dem letzten Arbeitsschritt.

 

F.  Fazit

Mit Hilfe des RTI-Modells kann man die Verzierungen des Objekts wesentlich besser erkennen, denn der zweite ornamentale Bogen war mit bloßem Auge kaum zu sehen.

Ein allgemeiner Vorteil von RTI-Modellen ist, dass durch die online Veröffentlichung dieses Objekt, nun jeder eine Zugriffsmöglichkeit auf dieses hat. Es besteht also keine Notwendigkeit mehr für Forschungszwecke an den Ort zu reisen, an dem das Objekt aufbewahrt wird.

 

G. Literaturverzeichnis

Ditmar-Trauth, Gösta: Fibel- und Gürtelmode der Hochgotik, Wald-Michelbach 2000.

Ditmar-Trauth, Gösta: Alltag und Sachkultur des Mittelalters in Bildquellen von 800 bis zum Anfang des 14. Jh., Münster 2006.

Fingerlin, Ilse: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München, Berlin 1971 (Kunstwissenschaftliche Studien, Band XLVI),

Heynowski, Ronald: Gürtel. Erkennen, bestimmen, beschreiben, Berlin, München 2017 (Bestimmungsbuch Archäologie 5).

Loschek, Ingrid: Accessoires. Symbolik und Geschichte, München 1993.

Lungershausen, Axel: Buntmetallfunde und Handwerksrelikte des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus archäologischen Untersuchungen in Braunschweig, Rahswn/Westf. 2004 (Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 34).

Schopphoff, Claudia: Der Gürtel. Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter, Weimar, Wien 2009 (Pictura et Poesis. Interdisziplinäre Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst, Band 27).

 

Zierbeschlag 12 a, b

Viewer 1 zeigt den ersten Aufnahmeversuch mittels Freihand-Methode ohne Drehteller

Viewer 2 zeigt das Ergebnis des  zweiten Aufnahmedurchlaufs an der Drehtellerstation nach erprobtem Aufnahmeschema (Tabelle).

A) Objekt / Gegenstand: Zierbeschlag 12 a, b

Kurzbeschreibung: 
Der Beitrag zeigt RTI-Aufnahmen eines Zierbeschlags aus Julbach. Das Objekt ist zu 5 x 2 cm groß und wiegt 6,57 Gramm. Die Metallschnalle ist geprägt mit einem Zick-Zack Muster umlaufend an den Rändern mit vier angedeuteten Nagelköpfen.  Das zweite Teil war vermutlich flexibel an der Rückseite befestigt, zur leichteren Handhabung (Einfädeln des Gurts). Vergleichbares Objekt unter diesem Link: https://vehi-mercatus.de/Endbeschlag-15-Jahrhundert-Fuer-Riemen-bis-18mm-Breite

Historischer Kontext, Literaturangaben: 

B) Aufnahme / Bildgewinnung
Ort, Zeit, Personal: Kulturgut-Seminar, Labor Passau, 06.06.2018, 11:35, Susanne Mühlbauer, Anastasia Ederer

Kamera: Canon EOS 100D

Objektiv: 18-55 mm Zoom-objektiv

Aufnahmesituation: räumliches Umfeld, Lichtverhältnisse
abgedunkeltes Labor, Reprostativ mit Drehteller, inklusive LED-Lampe als Leuchtmittel, 1 RTI-Referenz-Kugel, 10 mm

Kameraeinstellungen:
Kameramodus: Autofokus

Abstand der Kamera: 23 cm

Datenformat: JPEG
Auflösung: 72 dpi / 5184 x 3456 Pixel

Belichtung: ISO 100
Brennweite: 55
Blendenzahl: F11

Verschlusszeit: 2s

Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: Multispot, automatisch
Fokussierung: Autofokus
Fernauslöser: Ja + Steuerung via PC / Software, hier Canon Utility
Vorgehen bei der Bildgewinnung: 5 Winkel mit jeweils 12 Speichen am Drehteller, (20°-60°).

C) Modellerstellung
Verwendete Software, Version: RTI Builder
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 60

Keine Nachbearbeitung der Bilder.

Keine Nachjustierung während des Erstellens in der Software.

RTI-Aufnahme und Dokumentation Münze Nr. 6b „Händlein-Heller“, Fundort Julbach

Screenshot Viewermodus Normals Visualization

Screenshot Viewermodus: Specular Enhancement

A) Objekt / Gegenstand: Münze Nr.6b– Händlein-Heller

Kurzbeschreibung:
Der Beitrag zeigt RTI-Aufnahmen einer Silbermünze aus Julbach. Die Münze hat eine matte Oberfläche mit reliefartigen Erhöhungen und wiegt 0,54 Gramm. Auf der Vorderseite kann man eine Hand erkennen mit Punkten unter Ring- und Mittelfinger als Emissionszeichen. Die Rückseite dagegen zeigt ein Kreuz in Linienkreis mit gegabelten Enden; in den Kreuzgabeln finden sich Kugeln.

Historischer Kontext, Literaturangaben:
Die Münze stammt aus Schwäbisch Hall (Stadt als Prägeherr), zu Anfang des 14. Jahrhunderts.

Mehr Information: Albert Raff, Die Münzen und Medaillen der Stadt Schwäbisch Hall, Freiburg im Breisgau 1986

B) Aufnahme / Bildgewinnung
Ort, Zeit, Personal: Kulturgut-Seminar, Labor Passau, 30.05.2018, Julia Vollbrecht, Sandra Holler, Rebecca Cischek

Kamera: Canon EOS 100D

Objektiv: 100mm Festbrennweitenobjektiv

Aufnahmesituation: räumliches Umfeld, Lichtverhältnisse
abgedunkeltes Labor, Reprostativ mit Drehteller, inklusive LED-Lampe als Leuchtmittel
2 RTI-Referenz-Kugeln, 5mm

Kameraeinstellungen:
Kameramodus: automatisch
Datenformat: JPEG
Auflösung: 72 dpi / 5184 x 3456 Pixel

Belichtung: ISO 100
Brennweite: 100
Blendenzahl: F14
Verschlusszeit: 3,2s

Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: automatisch
Fokussierung: Autofokus
Fernauslöser: Ja + Steuerung via PC / Software, hier Canon Utility
Vorgehen bei der Bildgewinnung: 5 Winkel mit jeweils 12 Speichen am Drehteller

C) Modellerstellung
Verwendete Software, Version: RTI Builder
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 120 pro Seite

RTI-Aufnahme und Dokumentation Münze Kat. Nr. 7 aus Julbach

Münze 07 Vorderseite – Specular Mode
Münze 07 Rückseite – Specular Mode
Münze 07 Vorderseite – Normals Mode
Münze 07 Rückseite- Normals Mode

A) Objekt / Gegenstand

Kurzbeschreibung:  Größe: 2 cm, Material: Silber, Eigenschaften der Oberfläche : glänzend, Gewicht: 3,49g, Fundort: Julbach, am Wege hoch zum Burgstall, 2015 (Peter Schmidt), (Katalog-) Nr. 7, historischer Kontext: wahrscheinlich in der Münzstätte Wien hergestellt, Zehner-Maria Theresia, Vorderseite: Büste Maria Theresias im Blattkranz, Umschrift: M-THERESIA-D-G-R-IMP-GE-HU-BO-REG steht für Maria THERESIA Dei Gratia Romanorum IMPeratrix, GErmaniae HUngariae BOhemiae REGina, Rückseite: gekrönter Habsburger Doppeladler über Wertzahl in Sockel, 2 Königskronen Ungarns und Böhmens, Herzschild unkenntlich, Umschrift: ARCHID-AUST-DUX-BURG-CO-TYR-1760X (ARCHIDux, AUSTriae, DUX, BURGundiae, COmes TYRolis); X steht für ein Andreaskreuz des goldenen Vliesses

Zehner (zehn Kreuze), Ks. Maria Theresia (1740-1780), Ö-Ungar. Kaiserreich, Mzst. Wien, 1760

Literatur: Ludwig Herinek, österreichische Münzprägungen von 1740 bis 1969, Wien 1970, Nr. 1136

B) Aufnahme / Bildgewinnung

Ort, Zeit, Personal: Labor, Kurs Kulturgut, 9. Mai 2018

Kamera: Modell: EOS 100D, Objektiv: 50mm

Aufnahmesituation: räumliches Umfeld/Lichtverhältnisse: Raum abgedunkelt. Bei Studioaufnahmen: Beleuchtung, Benutzung von Drehteller und anderen Hilfsmitteln: Drehteller mit LED-Lampe als Leuchtmittel, RTI-Referenz-Kugeln: 2 Referenzkugeln: 5mm Durchmesser

Aufbau: Kameraposition / Stativ: Reprostativ mit Drehteller

Kameraeinstellungen:

Kameramodus:

Datenformat:    jpeg                 Pixel 5184×3456

Belichtung: ISO  100, Brennweite  50mm, Blendenzahl 22, Verschlusszeit   3sec

Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: automatisch

Fokussierung: Autofokus

Fernauslöser: (normalerweise bei RTI: Ja) +  Steuerung via PC / Software, hier Canon Utility

C) Modellerstellung

Verwendete Software, Version: RTI Builder

Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 120

D) Beobachtungen, Probleme , Lösungen sowie sonstige Angaben zur Nachvollziehbarkeit und möglichen Reproduktion der Arbeit

 

RTI-Aufnahme und Dokumentation Hufeisen Kat. Nr. 3 aus Julbach

Hufeisen RTI Specular Mode

Hufeisen RTI Normals Mode

A) Objekt / Gegenstand: „Schweden“ Hufeisen

Kurzbeschreibung:  Größe: 11,5 x 9 cm, Material: Eisen,  Oberfläche matt, grob behauhen, Gewicht: 208,90 g, Fundort: Julbach, (Katalog-) Nr.  3

historischer Kontext:

ein ähnliches Fundstück befindet sich heute im Besitz der Museen im Saarland: „Seit Beginn der Pferdehaltung musste der Huf des Pferdes gepflegt und geschützt werden, da das Gleichgewicht zwischen Abnutzung und Nachwachsen des Hufes, wie es bei Wildpferden vorkam, gestört wurde. Zunächst benutzte man Hufschutze aus Bast oder Stroh, in das Holz-, Leder- oder Metallplatten eingeflochten wurden, daraus entwickelte sich der Hufschutz aus Eisen, erst als Hipposandale, danach als Hufeisen.
Genagelte Hufeisen, wie sie noch heute verwendet werden, wurden wohl von den Kelten erfunden, sie waren seit dem 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch. Im 9. Jahrhundert war der Hufbeschlag mit Nägeln in Europa allgemein bekannt. Das Alter von Hufeisen ist generell schwer zu bestimmen.
Bei diesem Hufeisen handelt es sich um ein altdeutsches Hufeisen, auch „Schwedeneisen“ genannt, das vom 13. bis 17. Jahrhundert gebräuchlich war. Charakteristisch sind der breite Zehenteil mit breiten Schenkelenden sowie der Griff neben dem Stollen. Die Bezeichnung „Schwedeneisen“ leitet sich vom 30-jährigen Krieg her, doch geht man mittlerweile davon aus, dass diese Eisen nicht nur von den Schweden benutzt wurden, dafür sind die Funde viel zu zahlreich.“

B) Aufnahme / Bildgewinnung

Ort: Digital Humanities Lab Kulturgut in 3D SS 18, Zeit: 09.05.2018, 11 Uhr, Personal: Lisa Duschl, Chantal Reißel, Jakob Ax, Rebecca Cischek, Nina Kunze

Kamera: Canon EOS 100D, Festbrennweiten-Objektiv 100mm

Aufnahmesituation: Innenraum, Labor, Lichtverhältnisse: abgedunkelt. Beleuchtung: LED Taschenlampe, Benutzung von RTI-Referenz-Platte, 2 RTI-Referenz-Kugeln:  10 mm Durchmesser

Aufbau: Stativ Freihandmethode

Kameraeinstellungen:

Kameramodus: Manuell und Autofokus

Datenformat: jpeg      Auflösung: 3072 x 2048 Pixel

Belichtung: ISO 100, Brennweite 100 mm, Blendenzahl F 32, Verschlusszeit 2 Sekunden

Messmethode: Multispot zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: auto

Fokussierung: Autofokus zur Justierung

Fernauslöser:  Ja +  Steuerung via PC / Software, hier Canon Utility

Vorgehen bei der Bildgewinnung: 4 Winkel / 12  ‚Speichen’ um das Objekt

C) Modellerstellung

Verwendete Software, Version: RTI-Builder

Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 48

Nachbearbeitung der Bilder? nein

Nachjustierungen während des Erstellens in der Software? nein

RTI- Aufnahme und Dokumentation: Silberdenar, Kat. Nr. 85, Fundort Hilgartsberg

A) Objektkontext:

Es handelt sich bei dem fotografierten Objekt um eine Münze von dem Fundort Hilgartsberg. Im Fundkatalog wird sie unter Nr. 85 als Silberdenar (Aquileia 1277) aus vergoldetem Silber geführt. Der genaue Fundort der Münze ist der Zwinger. Die Münze hat einen Durchmesser von etwa 2,1cm. Der Rand ist ungleichmäßig, die Oberfläche des Fundstücks ist matt. Auf der Rückseite der Münze kann man einen Adler und einen Schriftzug erkennen, welcher leider nicht entziffert werden konnte. Die Vorderseite der Münze zeigt Maria mit Kind. Die Münze ist gut erhalten bis auf eine Absplitterung am Rand links unten.

Bereits im 10. Jahrhundert wurde der Standort der Burg Hilgartberg für den Erbau einer Fliehburg zum Schutz vor den Magyaren (Ungarn) genutzt. Urkundlich ist zu dieser Burg nichts überliefert, jedoch geht man davon aus, dass sie auf herzoglichem Grund erbaut wurde und nach der Jahrtausendwende an das Hochstift Bamberg, eine Gründung Kaiser Heinrich II. (1002-1024), überging.

Grundriss der Burg

Ezili de Hilkerrichesperch, ein Vasall der Bamberger Bischöfe, erbaute wohl die Nachbarsburg Hilgartsberg im 12. Jh. und nahm dabei den zum Flusstal hin exponierten Teil des Areals der Ungarnschutzburg ein. Auf ihn geht vermutlich der Name Hilkersberg (im Volksmund) oder Hilgartsberg zurück. Im Folgenden wird ein tabellarischer Überblick über die Lehnsträger der Burg gegeben:

HERRSCHAFT ÜBER DIE BURG HILGARTSBERG

11. Jh. – 1188 Grafen von Sulzbach Hochstift Bamberg
1188 –  1200 Staufer
1200 – 1248 Grafen von Ortenburg
1248 – 1531 Wittelsbacher Anfangs als Lehensträger Bambergs, dann als Eigentümer
1531 – 1593 Herren von Weißenfeld landesherrliche Lehensträger
1594 – 1616 Herren von Pollweil
1621 – 1822 Grafen Fugger – Gött

 

Unter Fugger wurde die Burg zu einem repräsentativen Schloss umgebaut und ein 493 Seiten umfassendes Grundbuch erstellt, das erstmals eine eingehende Beschreibung über das Schloss liefert. Darin heißt es, dass das Schloss insgesamt 49 Zimmer und Kammern, vier Küchen, drei Keller, und drei Verliese auf vier Stockwerken hatte. Der Innenhof war so großzügig angelegt, dass darin ein Sechsspänner wenden konnte. Ebenfalls der Schlossanlage zugehörig waren unter anderem ein Waschhaus, eine Viehstallung, eine Waffenkammer (oder eine Fischkammer), zwei Getreidekasten, die Wohnungen des Torwarts und des Gerichtsschreibers, ein Turm, drei Tore hintereinander, eine Kapelle, eine Taverne und ein Burggasthaus an deren Stelle 1829-1967 die Volksschule untergebracht war. Außerdem gab es einen Garten von welchem ein Viertel als Irrgarten angelegt war.

Schloss Hilgartsberg nach Umbau durch Fugger

Eine jüngere Beschreibung des Schlosses von Michael Wening Anfang des 18. Jahrhunderts zählt nur noch 28 Räume, was mit dem Schlossbrand von 1626 in Zusammenhang stehen mag. Der Niedergang der Burg geschah im Österreichischen Erbfolgekrieg als der österreichisch-ungarische Oberstleutnant Graf Gorani am 11. November 1742 die kurbayrische Truppen beherbergende Burg einschließen und bombadieren lies. Erhalten blieben dabei die Kanzlei im unteren Stock, die Kapelle, der Wachtturm, der Bergfried, der Stadel und die Stallungen. Seit dieser Zeit blieb das Schloss jedoch eine Ruine. 1822 verkaufte Graf Joseph Sebastian Eligius die Herrschaft für 120000 Gulden an den bayerischen Staat, was jedoch die Schlossgebäude selbst nicht einschloss. Diese wurden in einer öffentlichen Ausschreibung von Florian Koch und Philipp von Mühldorfer erworben um schließlich 1838 ebenso in Staatseigentum überzugehen und unter Denkmalschutz genommen zu werden.

Die Ruine des Schlosses nach dem Brand

Hans Eckmiller beschreibt Hilgartsberg als Ort von Mythen und Geschichten. So sind zum Beispiel manchmal die Stimmen klagender Kaufleute zu hören, die einen Hungertod erleiden mussten nachdem sie, wie es häufig vorkam, von den Hilgartsbergern überfallen und geplündert worden waren. Oder die drei Burgfräulein, die am Brunnen spuken da sie vor mehreren Jahrhunderten hinuntergestürzt worden waren. Auch das feurigleuchtende Skelett des letzten Grafen, das sich in der Mauer über dem Verließ abzeichnet, nachdem dieser von Trenk´s Panduren hier eingemauert worden war, ist manchmal zu erkennen. Besonders wenn der Wind geht sind das Klirren von Sporen, das Stampfen von Rossen, das Treiben geharnischter Gestalten zwischen den Trümmern des umgestürzten Turmes, das Rauschen der Fichten, das Fallen von Steinen des Gemäuers in der Nische des Burgfrieds zu vernehmen und eine Eule mit feuerroten Augen tut das Ihre zum übrigen Geschehen.

 

B) Aufnahmeprozess:

Die Aufnahmen wurden am Labor für Kulturgutdigitalisierung am Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Passau (Raum: HK 14d, Raum 204) am 06.02.2018 um 12:30 Uhr erstellt. Anwesend waren Monika Schropp und Sebastian Gassner.

 

Equipment:

  • Kamera: Canon EOS 100 D
  • Objektiv: 50mm Festbrennweite
  • Entfernung vom Objekt: ca. 31cm (Stativ)
  • Aufnahmemethode: Drehteller mit Beleuchtungsarm, Reprostation mit Stativ, Kamera im 90° Winkel über dem Objekt
  • Licht: abgedunkelter Innenraum, keine weitere Beleuchtung
  • Kameramodus: Autofokus
  • Dateiformat: jpeg
  • Blendenzahl: F18
  • Belichtungszeit: 3‘ 2‘‘
  • ISO: 100
  • Referenzkugel: eine Kugel mit 5mm Durchmesser
  • Fernauslöser, Verbindung von Kamera und PC durch USB-Kabel, Software: Canon Utility

 

Aufnahmen:

Versuch den gesamten Aufbau zu zeigen.
  • Vier Ebenen → 20°, 30°, 40°, 50°
  • Pro Ebene: 12 Aufnahmen in 30° Schritten, Startpunkte sind abwechselnd bei 10° bzw. 15°
  • Vorder- und Rückseite jeweils in einem Durchlauf
  • Gesamtzahl von 96 Bildern
  • Keine Detailaufnahmen

 

 

C) Modellerstellung

Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 48

Nachbearbeitung der Bilder: keine

Verwendete Software: RTIBuilder, Version 2.0.2


 

PHOTOGRAMMETRIE – Aufnahme und Dokumentation des Terrakotta-Engelsköpfchens aus Schloss Neuburg am Inn, Kat. Nr. 177

A) Objektkontext

Bei dem fotografierten Fundstück handelt es sich um einen Engelskopf mit Flügeln und gelocktem Haar. Das Objekt ist aus Terrakotta und stammt vom Fundort Neuburg am Inn. In der Breite fasst der Kopf mitsamt Flügeln 22,5 cm, die Länge beträgt 24,5 cm und auf die flache Seite gelegt ist die Figur 11,5 cm hoch.

Schloss Neuburg am Inn wurde im 11.  Jahrhundert von einer Formbacher Grafenfamilie gegründet, die ihren Herrschaftssitz als Höhenburg, um sich symbolisch wie auch physisch über die Untertanen zu erheben, errichten ließen. Bis 1803 war die Neuburg Herrschaftsmittelpunkt der Grafschaft Neuburg, die, sich seit 1310 in Habsburger Besitz befindend, österreichischem Herrschaftsgebiet angehörte. Über die Jahrhunderte hinweg wurden an der Burg mehrere Umbauvorgänge durchgeführt welche beispielweise eine Verstärkung der Wehrhaftigkeit oder Machtdemonstration zum Zwecke hatten. Durch die schnelle Entwicklung der Kriegstechnik und das Auftauchen von Feuerwaffen verlor die Neuburg im 15. Jahrhundert weitgehend ihre Wehr- und Schutzfunktion.

Um das Jahr 1530 begann Graf Niklas III. (1503-1550) von Salm die Burg mittels umfassender Umbauarbeiten durch Wolf Huber (ca. 1485-1553) in ein Renaissanceschloss zu verwandeln. Eine zentrale Rolle spielte hierbei der Garten als Ort der Muße aber auch zu Repräsentationszwecken. Weiterhin große Bedeutung kommt den Terrakotta-Ornamenten zu, die einerseits zeit- und kostengünstig herzustellen waren, andererseits durch ihre Raffinesse in ihrer Funktion der Demonstration eines neuen Lebensstils, Großartigkeit und Ruhm ihre volle Wirkung zeigten. Durch die Änderungen verlor die Burg an militärischer Bedeutung um jedoch an Prestige zu gewinnen. Die Neuburg wurde architektonischer Vorreiter zahlreicher ähnlicher Schlossbauten.

Das Engelsköpfchen war zum Zwecke der Dekoration als Konsole unter den Rippensätzen angebracht. Die Vermutung legt nahe, dass das Fundstück aus der oben genannten Umgestaltungsphase unter Graf Niklas III. stammt, genaueres ist jedoch nicht bekannt.

 

B)  Aufnahmeprozess

Ort, Zeit, Personal: Die Aufnahmen wurden im Labor für Kulturgutdigitalisierung am Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Passau (Raum 204 HK14d)  am 07.03.2018 um circa 10.00 Uhr gemacht. Anwesend waren die Teilnehmer des Seminars sowie Magdalena März und Sebastian Gassner.

Equipment und Einstellungen:

  • Kamera: Canon EOS 100D
  • Objektiv: 100mm Festbrennweite
  • Modus: Autofokus
  • Blende: F32; ISO: 100 Belichtungszeit: 2 Sekunden
  • Fernauslöser, USB-Verbindung zwischen Kamera und PC
  • Aufnahmemethode: Drehteller und Stativ
  • Aufbau: Innenraum, abgedunkelt; zwei LED-Panels ca. 40cm links und rechts des Objekts, eine Softbox-Studioleuchte, die das Objekt von oben beleuchtet hat
  • einzige Lichtquelle abgesehen von Schirm- und LED-Lampen: Beleuchtung des Drehtellerarms für RTI-Aufnahmen am anderen Ende des Raums
  • Plastikring zur Stabilisierung des Objekts
  • Dateiformat: JPEG

 

Aufnahmen:

Dies ist der zweite Versuch den Engelskopf zu fotografieren, der erste Versuch wurde in Neuburg unternommen. Insgesamt wurden von Ober- und Unterseite insgesamt 255 Aufnahmen auf 7 Ebenen und einigen wenigen Detailaufnahmen gemacht. Es wurden so viele Aufnahmen gemacht, da die Software beim ersten Versuch die Kamera immer an die gleiche Position gesetzt hat und somit kein Modell erstellen konnte. Die Vermutung war, dass es zu geringe Überschneidungsbereiche zwischen den Bildern gab was dazu führte, dass sich die Softaware nicht orientieren konnte.

Hier erkennt man die Dichte der Aufnahmen und die Verteilung auf sieben Ebenen

 

 

 

 

 

 

C) Modellerstellung

Die Bilder wurden ohne weitere Bearbeitung direkt von dem Programm Agisoft PhotoScan Professional (64 bit) Version 1.3.2 verarbeitet. Die Software gibt eine bestimmte Reihenfolge an Arbeitsschritten vor, welche nacheinander durchgeführt wurden. Die Bilder-Sets von Vorder- und Rückseite wurden hierbei zunächst separat behandelt, in einem weiteren Schritt wurden die beiden Chunks zusammengefügt. Auch nach der Erstellung des Modells wurden keine weiteren Bearbeitungsmaßnahmen vorgenommen, abgesehen von dem Entfernen überflüssiger Bildpunkte in der Punktewolke, die nicht zu den Objekt selbst gehörten.

Das Modell wurde am Rechner im Labor für Kulturgutdigitalisierung des Lehrstuhls für Digital Humanities berechnet für den folgende Daten gelten: Rechnerkonfiguration: Intel Core2 Quad CPU / 4x 2.8GHz, Arbeitsspeicher: 8,00 GB, Windows 7 Pro/64Bit, Grafikkarte: NVIDIA GeForce GTX 750Ti mit 2048MB Speicher.

RTI–Aufnahme und Dokumentation Bronzeknopf, Kat. Nr. 38, Fundort Julbach

Dieser Beitrag beinhaltet die Dokumentation der Aufnahmen zur Erstellung der RTI-Datei zum genannten Objekt, auf Basis des im Kurs verwendeten Dokumentationsschemas, des sog. Shooting-Logs für RTI-Aufnahmen.

A) Objekt, Kurzbeschreibung und Kontext

In diesem Beitrag wird ein Knopf beschrieben, der bei der Burgruine Julbach gefunden wurde. Er besteht aus Bronze und weist eine matte, glatte Oberfläche mit feinen Kratz- oder Schleifspuren auf. Der Knopf hat einen runden Grundkörper mit einem Durchmesser von ca. 3 cm, auf dessen Oberfläche sich auf den Mittelpunkt punktsymmetrische, vergoldete Verzierungen befinden. Auf der Rückseite steht eine Schlaufe zur Befestigung an der Kleidung heraus (Höhe ca. 1 cm). Zum historischen Kontext sind bisher keine Angaben bekannt, ein terminus ante quem ergibt sich aus der Zerstörung der Burg im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs 1504. Da der Fund in den Grabungsberichten (hier einsehbar) nicht erwähnt wird und teilweise die ausführlichen Fundkataloge fehlen, lässt sich sonst nichts Genaueres sagen.

B) Aufnahme

Ort, Zeit, Personal: Universität Passau, Digital Humanities Lab (HK14b) am 07.02.2018, 10:30-11:15 Uhr durch Tobias Bloch, außerdem anwesend waren Sebastian Gassner und Melanie Bauer

Kamera: Canon EOS 100D

Objektiv: 50mm Festbrennweite

Aufnahmesituation:

  • Räumliches Umfeld: Innenraum (Lab), halbverdunkelt
  • RTI-Aufnahmemethode: RTI-Drehteller mit Lampenarm zur Ausleuchtung des Objekts und zwei RTI-Referenzkugel mit einem Durchmesser von 5 mm, aufgebaut auf einer Reprostation mit Stativ zur Kamerapositionierung und ‑Fixierung; USB-Kabels zur Verbindung von Kamera und PC.
  • Aufbau: Kameraposition fest 90° Grad über dem Objekt an Reprogerät, Unterlage mit RTI-Hilfskreisschema zur Orientierung/Lichtpositionierung, zwei RTI-Referenz-Kugeln mit 5 mm Durchmesser, die mit Knetmasse befestigt wurden. Da auf der Unterseite des Objekts eine Metallschlaufe herausstand, mussten neben diese Schlaufe unter den Knopf zwei Stifte gelegt werden, damit der Knopf gerade auflag und nicht immer auf eine Seite kippte. Da der Knopf so allerdings höher als die Kugeln positioniert war, wurden der Knopf und die Kugeln auf ein Stück Pappe gelegt, in das ein Loch für die Metallschlaufe geschnitten wurde. So befanden sie sich wieder auf einer Ebene (siehe Abb. 1).
Abb. 1: Der Drehteller-Aufbau mit der Lampe aus der untersten Position (20°)

Kameraeinstellungen:

  • Modus: manuell
  • Datenformat: jpeg, Auflösung: 3456 x 5184 Pixel / 1.6 MB
  • Belichtung: ISO 100; Brennweite 50, Blendenzahl F18, Verschlusszeit 4-13 s (siehe Anmerkung)
  • Fokussierung: Autofokus
  • Fernauslöser: Ja, Steuerung via PC/Software, hier: Canon Utility

Vorgehen bei der Bildgewinnung: Angestrebte Anzahl der verwendeten Aufnahmen/Lichtpositionen: 60 aus 5 Winkeln/Lichtpositionen am RTI-Arm (20 – 30 – 40 – 50 – 60°). In 30°-Schritten (versetzt startend bei 0° bzw. 15°) entsprechend der Markierungen am Drehteller wurde ein Set von 60 Fotos erstellt.

Anmerkung: Auf Anraten von Herrn Sebastian Gassner wurde mit jeder Höhenverstellung des Lampenarms nach unten die Belichtungszeit verlängert, um die Veränderung der Helligkeit auszugleichen. Beim spitzesten Winkel (20°) betrug sie 13 s, bei den nächsten in zwei-Sekunden-Schritten von 10 s bis 6 s und beim höchsten Winkel (60°) 4 Sekunden.

C) Modellerstellung

Verwendete Software, Version: RTIBuilder, v2.0.2
Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 60
Nachbearbeitung der Bilder: keine
Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: keine

Abb. 2: Screenshot im RTI-Viewer, Modus: Specular Enhancement.

Abb. 3: Screenshot im RTI-Viewer, Modus: Normals Visualization.

PHOTOGRAMMETRIE AUFNAHME UND DOKUMENTATION TERRAKOTTAFRAGMENT EINES FÜLLHORNKAPITALLS FUNDORT NEUBURG AM INN

(Dokumentation orientiert am bis dato angewendeten Dokumentationsstandard für RTI- und Photogrammetrie-Aufnahmen in den vorhergehenden Kursen am Lehrstuhl)

 

Allgemeiner Hinweis: Die Dokumentation dient der Nachvollziehbarkeit des Vorgehens, sie soll daher präzise und konzise sein. Eine tabellarische Aufzählung ist bei den meisten Punkten ausreichend.

A) Objekt/ Gegenstand

Bei dem Objekt handelt es sich um ein Terrakottafragment eines Füllhornkapitells höchstwahrscheinlich einer Protaleinfassung, Fundort Schloss Neuburg am Inn, Höhe: ca. 8-12cm, Breite: ca. 30cm, Tiefe: ca. 10-20cm, jeweils von niedrigsten bis zum höchsten und oder tiefsten Punkt.

 

Der Bau des Schlosses lässt sich auf Mitte des 11. Jahrhunderts durch die Formbacher Grafen zurückzuführen. Die Lage von Neuburg muss sehr profitabel für die damaligen Besitzer gewesen sein, da das Schloss den Wasserzugang zur Stadt Passau kontrollieren konnte. Nach einer Teildemolierung 1310 wurde das Schloss wiederaufgebaut und erweitert. 1463 hat Hans von Rohrbach Neuburg erworben und hatte Erneuerungen geplant, alleine die Burgkapelle und die danebenliegende Sakristei konnte er vor seinem Tod 1464 erneuern. In den nächsten Jahren ging Neuburg durch verschiedene Hände und endete schließlich im Besitz des Grafen Niklas von Salm, dieser erklärte Wolf Huber zum Baumeister auf dem Schloss. Nach dem Tod des Grafen 1530 blieb Neuburg noch bis 1654 bei den Nachfolgern Salms, danach kam es zur einer kompletten barocken Umgestaltung unter Georg Ludwig Graf von Sinzendorf. Etwa ab dem Jahr 1730 war das Schloss im Besitz des Passauers Fürstbischofs, durch die Säkularisation wurde Neuburg Bayern zugesprochen und an Privatleute verkauft. Der Bayrische Verein für Volkskunst und Volkskunde rettete 1908 das Schloss vor dem Abriss und seit 2013 besitzt der Landkreis Passau Schloss Neuburg am Inn.

 

Das es sich bei dem Objekt um ein Terrakottafragment handelt, welches als Baudekor verwendet wurde muss noch geklärt werden, warum man überhaupt Terrakotta in dieser Zeit verwendete. Wolf Huber, Baumeister auf Schloss Neuburg, bediente sich nicht nur dem lokalen Wissen der Baukunst und Bauformen, sondern auch dem überregionalem Wissen und durch die Verwendung von Terrakotta konnte er relativ kostengünstig in nur wenigen Jahren das Schloss nach Salms italienischen Vorlieben verändern.[8] Durch die Verwendung von Terrakotta wurde dementsprechend auf die sonst üblichen Steinmetzarbeiten verzichtet.[9] Das Material Terrakotta konnte in die verschiedensten Formen geformt werden und serienmäßig hergestellt werden.[10] Kostengünstig konnten so extravagante, fantasievolle und aufwendige Wandfriesen produziert werden[11], die Auftraggeber mussten ihrer Fantasie somit keine Grenzen mehr setzten, wie es zuvor bei aufwendigen und teuren Steinmetzarbeiten der Fall war.

B) Aufnahme

Ort, Zeit, Personal: Ausstellungsraum auf Schloss Neuburg am Inn, 26.01.2018, Teilnehmer des Kurses ‚Kulturgut in 3D‘

 

Kamera: Canon EOS 100, Objektiv 18-55mm

 

Aufnahmesituation/ Lichtverhältnisse: normales Raumlicht erzeugt durch Deckenlampen, plus zwei LED-PANEL Strahler neben dem Objekt und einer Softbox Studioleuchte über dem Objekt.

Hilfsmittel: Objekt wurde auf einem weißen ca. 40 cm hohes Podest platziert, Kamera wurde an einem Stativ befestigt und damit um das Objekt gekreist. Bei den höheren Aufnahmeebenen wurde zusätzlich eine Leiter benutzt.

 

Kameraeinstellung: Kameramodus: manuell Datenformat: jpeg, Auflösung 72 dip/ 5184 x 3456 Pixel/ 24 Mpix, Belichtung: ISO 100, Brennweite: 50mm, Blendenzahl: F 22, Verschlusszeit: 1/3 Sek., Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: manuelle Fokussierung: Autofokus zur Justierung/ Schärfeneinstellung vor Beginn des Aufnahmesets, Fernauslöser: Nein

 

Vorgehen bei der Bildgewinnung: Vorderseite des Objekts aus 5 Ebenen jede mit 20 Positionen, Rückseite des Objekts aus 4 Ebene jede mit 20 Positionen. Die Kamera, welche an einem Stativ befestigt war, hat sich in diesen zwanzig verschiedenen Positionen und den verschiedenen Winkeln um das Objekt bewegt. Insgesamt wurden 188 Fotos gemacht.

C) Bearbeitungsprozess

Anzahl der Aufnahmen für das erstellende Modell: 188

Nachbearbeitung der Bilder: keine

Verwendete Software: Photogrammetrie Software Agisoft PhotoScan Professional (64 bit) Version 1.3.2.

Rechnerkonfiguration: Intel Core2 Quad CPU/ 4x 2.8 GHz, Arbeitsspeicher: 8,00 GB, Windows 7 Pro/ 64 Bit, Grafikkarte: NVIDIA GetForce GTX 750 Ti mit 2048MP Speicher

D) Anhang

Das 3D-Modell wurde im Labor für Kulturgutdigitalisierung am Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Passau erstellt, da der dort vorhandenen PC das Objekt in einer kürzeren Zeit rechnen konnte. Wie schon erwähnt mussten die Aufnahmen nicht nachbearbeitet werden und man konnte sofort beginnen das 3D-Modell zu erstellen. Bei dem Modell wurden während des Erstellungsverfahrens überflüssige Punkte in der Punktewolke entfernt, um eine weitere Bearbeitung dieser Punkte zu übergehen. Es wurden nur Punkte aus dem Hintergrund entfernt, die nicht zum Objekt gehörten. Zudem musste die Vorderseite und Rückseite des Terrakottafragments noch zusammengefügt werden, dies geschah ebenfalls mit Hilfe der Photogrammetrie Software Agisoft PhotoScan. In der Menüleiste, der Software, wird angezeigt welcher Arbeitsschritt noch zu erledigen ist.